Schlagwort-Archive: Schwedische Literatur

Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

(lme) Dieses Mal haben wir uns einen Spiegel-Bestseller und „Überraschungserfolg“ aus Schweden vorgenommen. In diesem Buch geht es um den hundertjährigen Allan, der auf seine alten Tage noch zu einem Fall für die Kriminalpolizei wird. Jedoch nicht als Opfer, sondern als Täter.

Der Autor verwebt auf eine interssante Weise das aktuelle Leben Allans mit seinen bisherigen Erlebnissen und erzählt, wie dieser unscheinbare Mann, der nur 3 Jahre Schule hinter sich hat, maßgeblich an den Geschehnissen der Weltgeschichte beteiligt war.

Jonassons Einfallsreichtum ist unendlich. Aber genau das stellt für mich auch das Problem an diesem Buch dar. Wenn ich ein Buch lese, dass sich so intensiv mit Weltgeschichte beschäftigt, dann möchte ich auch etwas lesen, was der Wahrheit entspricht und nicht etwas, was sich von vorne bis hinten als ausgedacht herausstellt.

Kein Wunder also, dass sich das deutschsprachige Feuilleton nicht mit diesem Roman beschäftigt hat.

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Katarina Mazetti: Mein Leben als Pinguin

(lme) Mehr als einen Sommerschmöker haben wir uns von diesem, im List-Verlag erschienenen Buch, nicht erwartet. Es geht hier um eine Gruppenschiffsreise an die Antarktis. Beschrieben werden drei Hauptcharaktere, Wilma, Alba und Tomas, die alle aus ganz unterschiedlichen Gründen die Reise antreten. Die Perspektive wechselt mit jedem Kapitel, eingeschoben werden Kapitel aus der Sicht anderer Reiseteilnehmer.

Zurückschrecken ließ uns das Vorwort, das darauf verwies, dass man das Buch entweder Wort für Wort oder querlesen könne (und dabei die „Abschweifungen“ weglassen müsse). Wieso, fragen wir uns, schreibt man diese dann überhaupt, wenn sie am Ende nicht einmal der Autorin lesenswert erscheinen.

Ansonsten ist das Buch nett. Die Gründe, warum die drei Protagonisten die Reise antreten sind sehr, sehr weit hergeholt. Auch durch die anderen Passagiere befinden sich so viele Schicksale auf einem Dampfer, dass wahrscheinlich sogar Hollywood vor der Verfilmung dieses Buches zurückschreckt. Das Buch ist nicht furchtbar, man muss es einfach mit Humor lesen…

Literaturnobelpreis 2011

(lme) Der Literaturnobelpreis des Jahres 2011 wird an Tomas Tranströmer verliehen werden. Geboren 1931, veröffentlichte Tranströmer im Alter von 24 Jahren sein erstes Werk.  Seitdem erschienen 12 Gedichtbände des schwedischen Poeten.

Weniger als 500 Seiten umfasse sein Gesamtwerk, das ist es, was die Medien mit am meisten über diesen Autor bewegt. Seit einem Schlaganfall 1990 leidet Tranströmer an einer Aphasie, kann kaum noch sprechen und musste erst wieder lernen, Gedichte zu schreiben.

Mit Tranströmer wählt die Akademie in diesem Jahr einen Autoren, der sich mit Sprache und mit Sprachlosigkeit beschäftigt, beschäftigen musste. Dahinter steckt die philosophische Frage ob man ein Dichter bleibt, wenn man die Sprache verliert.

Warum gewann so lange kein Lyriker mehr den Nobelpreis für Literatur? In unseren Augen ist dies folgender Debatte geschuldet: Ist ein übersetztes Gedicht noch immer das selbe Gedicht, oder entsteht ein neues Kunstwerk aus der Übersetzung, das mehr dem Übersetzer, als dem ursprünglichen Autoren zuzuschreiben ist? Kann deshalb ein Lyriker nur diejenigen Ansprechen, die seine Sprache sprechen? Kann sich die Jury für Metaphern entscheiden, die sie nur in der Übersetzung lesen und verstehen können?

Was haltet ihr vom Lesen von Gedichten in ihrer Übersetzung? Geben wir Tranströmer auf Deutsch eine Chance?