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Michel Houellebecq: Karte und Gebiet (lme)

März/2013, Nummer 43 im Buchclub

Erscheinungsdatum: 2010

Genre: Roman

Sprache: deutsch

Format: Taschenbuch

1. Warum dieses Buch?

Ich muss gestehen, dass ich von Michel Houllebeqc bis dato noch kein Buch gelesen hatte. Eine Inszenierung seiner „Elementarteilchen“ in München hatte mich abgeschreckt. Als mir das Buch nun von einer Buchhändlerin meines Vertrauens empfohlen wurde (Buchhandlung am Wettersteinplatz, München), war ich erstaunt, aber auch neugierig.

2. Welche Erwartungen hattest Du an das Buch?

Ehrlich gesagt waren meine Erwartungen sehr gering, da ich, wie angedeutet, nicht viel vom Autor hielt (was sich aber mehr auf Hörensagen zurückführen ließ).

3. Deine persönliche Kurzzusammenfassung…

In diesem Buch geht es um die Lebens- und Werkgeschichte des Künstlers Jed Martin. Immer wieder schwimmt Martin mit seinen Kunstwerken gegen den Strom, dennoch wird er von Kritikern immer gepriesen. Seine letzte Ausstellung wird von Houllebeqc kuriert – eine Begegnung mit Folgen. Houllebeqc beschreibt in „Karte und Gebiet“ die Ermordung des Autors Houllebeqc, die aus habgierigem Motiv von einem Sadisten erfolgte.

4. Was hälst Du vom Plot?

Den Plot fand ich spannend erzählt – zum einen, weil sich der Autor selbst in seinem Roman auftreten lässt, zu anderen, weil „Karte und Gebiet“ Popliteratur der anderen Art ist. Hier geht es nicht um die unsinnige Aneinanderreihung von Markennamen, sondern um die Darstellung der heutigen Welt am Beispiel von Kunst und Kultur.

5. Wie bewertest Du den Beginn des Buches, den Einstieg in die Geschichte?

Schon der Einstieg in den Roman macht neugierig. Bereits hier wird das Thema der Kunst und Kultur verdeutlicht. Erst später merken wird, dass es sich bei diesem Teil nur um eine Art Vorrede handelt, die Beschreibung eines Gemäldes, das Jed Martin malt und das eines der letzten seiner Serie der „Berufe“ werden soll.

6. Hat Dir das Ende gefallen?

Ja, das Ende hat mir gut gefallen. Das Ende bricht auch mit den Genrezuteilungen, die man versucht hat vorzunehmen. Ist es nun ein Künstler- oder ein Kriminalroman? Auf welcher Seite stehen wir, welche Bedeutung hat der Tod des Schriftstellers?

7. Zentrale Themen?

Kunst, Kultur, Selbstfindung, Freundschaft, Vater ud Sohn.

8. Wie sind die Charaktere beschrieben?

Die Charaktere kommen mir sehr nah und sind so gut beschrieben, dass man sie in „Karte und Gebiet“ kennenlernt und nun in Museen und Galerien nach Gemälden, die denen von Jed Martin ähnlich sind, Ausschau halten wird.

9. Wie ist dem Autor die Gestaltung der Welt, in der die Geschichte spielt, gelungen?

Sehr gut. Houllebeqc gelingt ein spannender und mitreißender Roman ohne Pornographie.

10. Wie hat Dir die Sprache des Autors gefallen? Sein Stil?

Beides hat mir gut gefallen. Der Roman ließ sich sehr gut lesen und eignet sich in seiner deutschen Übersetzung auch gut zum Vorlesen.

11. Dein Lieblingszitat/ die Quintessenz des Buches?

„Er warf einen besorgten Blick nach links und rechts, aber zum Glück achtete niemand auf ihn, alle Tische waren von Jurastudenten besetzt, die von Feten oder <Juniorpartnern> sprachen, also Dingen, die Jurastudenten interessieren, er konnte in aller Ruhe weinen.“ S. 112

12. Intertextualitäten des Buches? Man kann es vergleichen mit…

Was die Einbindung des Autors in den Roman angeht, so kann man das Buch mit Tilman Rammstedt „Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters“ vergleichen.

13. Wie ließ sich dan Buch lesen?/ Wie lange hast Du gebraucht?

Es ließ sich sehr gut lesen.

14. Wie viel hat Dich das Buch gekostet, was ist es Dir wert?

9,99 Euro hat es gekostet und es ist die auf jeden Fall auch wert. Eine Hardcoverausgabe wäre ihren Preis auch wert!

15. Stärken des Buches?

Sprache, Stil Themen

16. Schwächen des Buches?

Dass ich vom Autor so abgeschreckt war, dass es der Empfehlung einer mutigen Buchhändlerin bedurfte, um es zu entdecken.

17. Besonderheit des Buches?

Ganz besonders gut hat mir der Umgang mit den Themen Kunst und Kultur gefallen.

18. An wen wirst Du das Buch weiterempfehlen?

Kunst- und Kulturfanatiker.

19. Ein neues Lieblingsbuch?

Ja.

20. Aufnahme in die Liste der Besten?

Das kann ich mir durchaus vorstellen.

21. Hast Du etwas Neues gelernt, hat Dich das Buch verändert?

Nein. Es war einfach eine sehr gute Geschichte. Das reicht ja auch.