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Katharina Saalfrank: Du bist okay, so wie du bist

(lme) Die „Super-Nanny“ Katharina Saalfrank legt ihren ersten Erziehungsratgeber vor. Doch nein, es handelt sich hier nicht um einen Erziehungsratgeber im herkömmlichen Sinne – die Autorin wendet sich nämlich ab von der Idee der Erziehung.

Vielmehr wünscht sie allen, die mit Kindern zu tun haben, die Möglichkeit eine Beziehung mit den Kindern zu schaffen. Erziehung sei, so Saalfrank, immer von oben herab, ausgeübt durch die Macht der Eltern ihren Kindern gegenüber. Wichtiger jedoch, so die Pädagogin, wäre es, eine Beziehung mit den Kindern einzugehen, und sich auf gleicher Ebene miteinander zu unterhalten.

Wie genau der Umgang mit Kindern dann aussehen könnte, da bleibt Saalfrank leider recht vage. Nur wenige Beispiele durchbrechen ihren Text – da wünschte sich der Laie noch mehr Anregungen. Saalfrank geht davon aus, dass es zu einer Emanzipation des Kindes kommen muss (sie verwendet dieses Wort natürlich nicht, es wäre wohl zu sehr von den Erwachsenen besetzt).

Insgesamt ist dies ein lesenswerter Ratgeber, der helfen will, Kindern auf Augenhöhe zu begegnen und nicht davon ausgeht, dass Kinder Tyrannen oder Nervzwerge sind.

Frau Freitag: Chill Mal, Frau Freitag

(lme) „Aus dem Alltag einer unerschrockenen Lehrerin“ – darauf hatten wir uns gefreut, darauf waren wir gespannt. Am Ende erweist sich dieser, im Ullstein Verlag erschienene Roman (Horrorroman?) jedoch als furchtbare Abrechnung einer Dame mit dem deutschen Bildungssystem, bzw. hauptsächlich mit den Schülern ihrer Hamburger Gesamtschule. Frau Freitag stellt sich selbst als rauchende, unmotivierte und desinteressierte Kunst- und Englischlehrerin vor, die es große Überwindung kostet, zu ihren Schülern freundlich zu sein. Der Untertitel würde dementsprechend besser lauten „Aus dem Alltag einer erschreckenden Lehrerin.“  Die Frage, die sich uns hier inhaltlich stellt, ist also, ob das deutsche Bildungssystem nicht an eben diesen Lehrern krankt, die ihre Schüler als minderbemittelt und zukünftige Hartz-IV-Empfänger sehen.

Auch auf literarischer Ebene müssen wir uns kurz noch äußern, ist doch dieses Buch von einer Deutschlehrerin verfasst. Sich die Sprache der Jugend anzugewöhnen, mag ja als besonderer Coup angesehen werden können, passt aber leider überhaupt nicht, wenn man sich auf der anderen Seite über die Ausdrucksweise seiner Schüler beschwert. Das Buch wiederholt unentwegt die gleichen Themen und Probleme, geht auf Fragestellungen nur bedingt ein und findet alle paar Kapitel ein paar Worte zu Frau Freitags Sichtweise, wie das Bildungssystem doch noch gerettet werden könnte.

Erhofft sich diese Dame von ihrem Buch in die Liga der Entscheidungsträger aufgenommen zu werden?

Montessori für Selberdenker

(lme) So liebe Eltern, habt gut Acht, Heidi Maier-Hauser hat euch etwas mitgebracht. Und zwar handelt es sich bei ihrem Buch „…dass wir unser Bestes geben“ Erziehen nach Montessori um eine bunte Mischung aus abschreckenden und ansteckenden Geschichten aus Familien, die die Autorin entweder im Kindergarten oder in Eltern- bzw. Erziehungsseminaren kennengelernt hat.

Mit erhobenen Finger tadelt sie da all jene, die ihren Kindern alles abnehmen und die Probleme der Kinder zu Eigenen machen und erklärt sich aber auch gegen solche, die ihren Kindern keinerlei Grenzen setzen. Im Prinzip hat man aber schon nach der Kapitelüberschrift genug theoretische Grundlage um die einzelnen Geschichten im Sinne der Autorin verstehen zu können. Beispiel: Kapitel 3. Das Ungefähre meiden. Es geht darum, sich selbst ernst zu nehmen, sich selbst zu glauben und zu meinen was man sagt. – Wie sinvoll.

Fraglich bleibt bei diesem Buch: Wo genau steckt hier Maria Montessori und inwieweit bezieht sich Heidi Maier-Hauser in ihrer Pädagogik auf sie.

Eltern, die gerne erfahren wollen, wie sich andere Eltern so anstellen, sei dieses Buch nahegelegt. Alle anderen greifen besser zu „Kindheit. Eine pädagogische Einführung“ von Klaudia Schultheis und Franz-Michael Konrad.

John West-Burnham: Personalizing Learning

„Education is the process in which society replicates itself“.

(lme) Wegen Sätzen wie diesem wird „Personalizing Learning“ zu einem wichtigen Werk. Besonders der erste Teil, der sich theoretisch mit Individualisierung im Unterricht und Lernen beschäftigt, enthält interessante Fakten und Überlegungen.

Fehlt es den meisten anderen Bücher dieser Art an theoretischer Grundlage für die Forderung nach Differenzierung und Individualisierung, schaffen es West-Burnham und sein Kollege Coates in ihrem Buch beides miteinander zu vereinen: An den Theorieteil knüpft ein Teil mit Fallstudien aus dem britischen Schulsystem an.

Besonders das Kapitel „A changing world“ verdient Aufmerksamkeit. Hier erklärt das Autorenpaar, welche Faktoren der heutigen Welt differenzierten Unterricht fordern. Sie nennen die „Information Revolution“, in der sich das Wissen so stark ausweitet, dass nur noch Computer bei diesem Tempo mithalten können, sie nennen die wachsenden und wechselnden Anforderungen im Berufsleben und resümieren: „We need individuals who can think, judge, analyse and adjucate more than ever before.“