Schlagwort-Archive: Novelle

Christopher Morley: The Haunted Bookshop

(lme) Dieser etwas altertümliche, da bereits 1919 erschienene, Kriminalroman erinnert mich stark an „Der Schatten des Windes“ von Zafon. Auch hier geht es um ein Buch, nach dem von allen Seiten gesucht wird, und hinter dem am Ende ein ganz un-literarisches Motiv steckt.

Dies ist eine nette Geschichte, die sich schnell lesen lässt und sicherlich ein gutes Geschenkbuch abgibt. Nichts weltbewegendes, nichts Neues und trotzdem gut geschrieben und spannend erzählt. Morley

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Eugene McCabe: Schwestern


Schwestern
(lme) Die in der deutschen Übersetzung im Steidl Verlag erschienene Novelle „Schwestern“ des Iren McCabe behandelt das Schicksal zweier ungleicher Schwestern, die in den 1950er Jahren aufwachsen. Beide sind recht unterschiedlich, die eine wird zur vergebungsoffenen Nonne, die andere alleinerziehende Arbeiterin, die ihrer Tochter Vater und Mutter sein muss.

Die Geschichte der beiden kreuzt im Erwachsenenalter wieder, als Carmel aus dem Kloster flieht und bei ihrer Schwester Tricia einzieht. Die unterschiedlichen Ansichten der beiden prallen aufeinander und dennoch bleibt bis zur letzten Seite des Werkes klar, dass sie als Schwestern für immer verbunden sind. Kein Meisterwerk, aber ein gutes Buch.

Volker Weidermann: Ostende



Ostende(lme) 
1936, Sommer einer Freundschaft, so nennt Weidermann seinen novellenartigen Fokus auf den kleinen Badeort Ostende in Belgien, der in den 1930er Jahren von emigrierten Literaten aus Deutschland zu einem Herd der Kultur und vor allem der Literatur gemacht wurde. Hier trafen sie sich alle, Joseph Roth, Stefan Zweig, Irmgard Keun, die Manns, E.E. Kisch. Und hier debattierten, lachten und tranken sie gemeinsam, fernab von Deutschland in dem es zu brodeln begann.

Mit diesem Buch beschert uns Weidermann ein literarisches Ereignis. Auf der einen Seite lernen wir etwas dazu, über die Exilliteraten und ihre Verbindungen zueinander, auf der anderen Seite haben wir aber auch ein literarisches Buch vor uns liegen, dass sehr gut geschrieben und leicht zu lesen ist. Weidermann schreibt eine Mischung aus Fiktion und Sachbuch und weckt unser Interesse an den beschriebenen Autoren.

Dieses Buch ist empfehlenswert für all diejenigen, die gerne mal ein Sachbuch zur Hand nehmen, genauso für die, die sich mehr für die „große“ Literatur interessieren. Ein Glücksgriff!

Martin Mandler: 23 Tage

(lme) In seiner Novelle 23 Tage schreibt der Österreicher Martin Mandler eine Ode an  Laura. Mit ihr gemeinsam hat der Ich-Erzähler, der wie Mandler aus Wien stammt und nun in der Eifel lebt, ein Leben in einem kleinen Eifeldorf aufgebaut, bis sie auszieht „die Männer zu studieren“.

Auf sich ganz allein gestellt, wird ihm seine Einsamkeit und seine Weltfremdheit bewusst. Er sehnt sich nach Laura, doch sehnt er sich wirklich nach ihr? Sehnt er sich nicht nur nach jemandem, der bei ihm ist und für ihn eine Verbindung mit der Lebenswirklichkeit schafft?

Der Protagonist macht sich auf, Laura zu folgen, beobachtet sie in London und fährt dann wieder zurück. Als er sie nach 23 Tagen wieder am Flughafen abholt, ist ihm klar, dass hier nicht die selbe Frau zurückkehrt, die er verabschiedet hat.

Die Story dieser Novelle ist nicht herausragend, ein typisches UBahnbuch. Warum dieses kurze Buch dennoch außerordentlich empfehlenswert ist, kann von der ersten bis zur letzten Seite nachgelesen werden. Mandler bedient sich einer wunderbar poetischen Sprache, die den inneren Monolog des Protagonisten unterlegt und nicht nur flüssig zu lesen, sondern auch inspirierend ist.