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Neil Gaiman im Guardian

(lme) Der Kinder- und Jugendbuchautor Neil Gaiman wurde von der englischen „Reading Agency“ eingeladen, um einen Vortrag über die Wichtigkeit des Lesens und der Bibliotheken zu halten. Er hat dies auf so eindringliche Weise getan, dass wir es für sinnvoll erachten, ein paar seiner Ideen und Thesen hier vorzustellen. (Wer das ganze Interview lesen möchte, kann das hier tun).

Gaiman sagt sehr richtig, dass der Gedanke wir bräuchten keine Schrift und keine Literatur mehr, da sich die Fähigkeit zu lesen überleben würde, vollkommen falsch ist. Gerade in den technischen Medien, die wir tagtäglich benutzen, brauchen wir die Schrift als Kommunikationsmittel sogar mehr, als die Sprache.

Er fand heraus, dass es in Gesellschaften, die einen hohen Anteil an Analphabeten haben, sehr viel häufiger zu Gewalttaten und Verbrechen  kommt und dass sogar China, nach langem zögern, seine Buchwelt der Science Fiction geöffnet hat, da sie feststellten, dass diejenigen, die kreative Ideen was Fortschritt angeht haben,  die Menschen sind, die in ihrer Kindheit Science Fiction Bücher gelesen haben.

Er sagt, dass es unsere Pflicht ist zu lesen und unseren Kindern die Welten der Imagination zu öffnen, da sie diese Fähigkeit brauchen um die Welt in der wir leben etwas besser zu machen. Wir alle stellen jeden Tag durch Literatur fest, dass

The world doesn’t have to be like this. Things can be different.

Seinen Vortrag schließt er mit einem Zitat von Albert Einstein. Diese Worte kann man nur einfach so stehen lassen.

„Albert Einstein was asked once how we could make our children intelligent. His reply was both simple and wise. „If you want your children to be intelligent,“ he said, „read them fairy tales. If you want them to be more intelligent, read them more fairy tales.“ He understood the value of reading, and of imagining. I hope we can give our children a world in which they will read, and be read to, and imagine, and understand.“

 

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Friedrich Denk: Wer liest, kommt weiter

(lme) Sehr hatten wir uns auf dieses Buch gefreut, das dieses Jahr im Gütersloher Verlagshaus erschienen ist. In ihm geht der Deutschlehrer und Initiator der Weilheimer Hefte den Fragen nach, wozu man lesen sollte, warum wir heute weniger lesen, wo, wann und wie wir lesen können und was wir lesen können.

Generell ist zu diesem Buch anzumerken, dass die Idee natürlich großartig ist. Menschen zum Lesen zu bewegen sollte Ansporn nicht nur für Deutschlehrer, sondern für jeden Bücherfreund sein. Es ist keine Frage, dass das Lesen sowohl intellektuelle als auch emotionale Fähigkeiten und Ausdrucksmöglichkeiten fördert.

Allerdings liegt diesem Buch meiner Meinung nach ein Denkfehler zu Grunde: Niemand, der nicht gerne liest, wird dieses Buch lesen. Der Autor Denk verfehlt hier also sein Publikum, erklärt begeisterten Lesern, warum Lesen besser ist als Internet, Fernsehen und Handy und übersieht dabei die Möglichkeit, dass Internet und Handy eine Entwicklung sind, die sich nicht aufhalten lassen wird und dass es womöglich sinnvoller wäre ein Miteinander der „alten“ mit den „neuen“ Medien zu konzipieren und einen völlig neuen Ansatz zu erfinden.

Leider sind viele Erklärungen, die Denk in seinem Buch findet, etwas platt geraten. Zum Beispiel wenn er über die Gründe schreibt, warum man lieber ein Buch als einen Kindle zur Hand nehmen sollte (S. 230): „Und siebtens kostet das Lesegerät nicht wenig (…, die Buchtexte sind auch nicht umsonst), während ich Tausende von Büchern aus Bücherregalen und aus Bibliotheken gratis lesen kann.“ Soweit ich weiss sind auch die Bücher in den Bibliotheken und Bücherregalen nicht kostenfrei dorthin gekommen. Dies ist also kein Argument gegen den Kauf eines Kindles.

Dennoch: Das Buch hat mich zum Nachdenken über mein eigenes Onlineverhalten angeregt und ich persönlich bin froh es gelesen zu haben, auch wenn ich es nicht weiterempfehlen werde. Allein schon die Zitate zum Lesen sind gut im Kopf zu behalten: (S.138 aus Madame Bovary) „Lisez pour vivre“.

Denk nimmt auf Seite 236 mein Fazit zum vorliegenden Buche vorweg: Nullum esse librum tam malum ut non aliqua parte prodesset.