Schlagwort-Archive: Kinderbuch

Neil Gaiman im Guardian

(lme) Der Kinder- und Jugendbuchautor Neil Gaiman wurde von der englischen „Reading Agency“ eingeladen, um einen Vortrag über die Wichtigkeit des Lesens und der Bibliotheken zu halten. Er hat dies auf so eindringliche Weise getan, dass wir es für sinnvoll erachten, ein paar seiner Ideen und Thesen hier vorzustellen. (Wer das ganze Interview lesen möchte, kann das hier tun).

Gaiman sagt sehr richtig, dass der Gedanke wir bräuchten keine Schrift und keine Literatur mehr, da sich die Fähigkeit zu lesen überleben würde, vollkommen falsch ist. Gerade in den technischen Medien, die wir tagtäglich benutzen, brauchen wir die Schrift als Kommunikationsmittel sogar mehr, als die Sprache.

Er fand heraus, dass es in Gesellschaften, die einen hohen Anteil an Analphabeten haben, sehr viel häufiger zu Gewalttaten und Verbrechen  kommt und dass sogar China, nach langem zögern, seine Buchwelt der Science Fiction geöffnet hat, da sie feststellten, dass diejenigen, die kreative Ideen was Fortschritt angeht haben,  die Menschen sind, die in ihrer Kindheit Science Fiction Bücher gelesen haben.

Er sagt, dass es unsere Pflicht ist zu lesen und unseren Kindern die Welten der Imagination zu öffnen, da sie diese Fähigkeit brauchen um die Welt in der wir leben etwas besser zu machen. Wir alle stellen jeden Tag durch Literatur fest, dass

The world doesn’t have to be like this. Things can be different.

Seinen Vortrag schließt er mit einem Zitat von Albert Einstein. Diese Worte kann man nur einfach so stehen lassen.

„Albert Einstein was asked once how we could make our children intelligent. His reply was both simple and wise. „If you want your children to be intelligent,“ he said, „read them fairy tales. If you want them to be more intelligent, read them more fairy tales.“ He understood the value of reading, and of imagining. I hope we can give our children a world in which they will read, and be read to, and imagine, and understand.“

 

Otfried Preußler

(lme) Wie wir heute erfahren, ist der beliebte Kinderbuchautor Ottfried Preußler am Montag im Alter von 89 Jahren verstorben. Es wird wohl kaum jemanden geben, dem nicht spontan zwei bis drei Bücher seiner Kindheit einfallen, die Preußler geschrieben hat – die kleine Hexe, der kleine Wassermann, der Räuber Hotzenplotz.

Was mag Preußler selbst gedacht haben über die Debatte, die Anfang des Jahres 2013 über die Wortwahl in seinen Büchern stattfand. Die Feuilletons waren geteilter Meinung, als Preußlers Hausverlag (Thienemann) sich entschied, in künftigen Editionen auf Ausdrücke wie „Negerlein“ zu verzichten. Denis Scheck äußerte sich in Druckfrisch kritisch.

Auch wir sind geteilter Meinung: Auf der einen Seite steht die Literarizität des Werkes, in das nicht eingegriffen werden sollte, auf der anderen Seite handelt es sich aber um Kinderbücher. Anmerkungen und Erklärungen bei der Verwendung der abwertenden Worte wäre nötig – wird ein Kind dies jedoch verstehen? Vielleicht sollte man zwei Ausgaben veröffentlichen, eine mit dem Originaltext mit Fußnoten etc. und eine für die jungen Leser.

Wir bedauern es sehr, dass von diesem wunderbaren Kinderbuchautor nun keine neuen Meisterwerke mehr entstehen werden. Seine letzte Veröffentlichung liegt noch druckfrisch in den Läden: „Der kleine Wassermann – Sommerfest im Mühlenweiher“.