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Meir Shalev: Im Haus der großen Frau

(lme) Eigentlich gehört dieses Buch zu den Lieblingsbüchern. Es hat alles, was ein großer Roman braucht – eine eindringliche Geschichte, mitreißende Sprache, Charaktere so plastisch wie echte Menschen. Leider enttäuscht das Ende, das Shalev wählt, ein wenig, so dass es kein vollkommenes Buch geworden ist.

„Im Haus der großen Frau“ erzählt aus der Perspektive des 52-jährigen Raful Mayer, von seinem Aufwachsen und Leben bis zum Zeitpunkt des Schreibens. Raful erinnert sich an seine fünf Mütter: Großmutter, Mutter, zwei Tanten und eine Schwester, die alle verwitwet oder unverheiratet sind und daran, was sie ihm Unterschiedliches mit auf den Lebensweg gaben. Er sucht sich inmitten dieses Kreises aus Weiblichkeit ein weiteres, männliches Vorbild, von dem er Rasieren, Steine lesen und die Freude am Essen lernt.

Shalev schafft eine Welt, in der man gerne groß geworden wäre. Sein Erzählstil ist wunderbar, die Menschen, die beschrieben werden, so lebensecht, dass sie für die Verweildauer des Lesens zur eigenen Familie werden.

Ebenso wie „Judiths Liebe“ ist hier ein Meisterwerk entstanden, das man nur empfehlen kann.

Lizzie Doron: Der Anfang von etwas Schönem

(lme) Der Anfang von etwas Schönem? Bei der Wahl des Titels kann es sich nur um Ironie handeln. An diesem Roman ist nichts schön. Die Helden werden auf Reisen zu ihrem Selbst und zu ihren Wurzeln geschickt, aus denen sie nichts als Trümmer mit zurück bringen.

Aus der Perspektive dreier Juden wird das heutige Leben in Israel und der Umgang der nächsten Generation mit der Shoah beschrieben. Traurig und trist bestellen die Protagonisten ihr Leben, bringen es zu nichts, können sich aber auch nicht losmachen von der Geschichte, die sie mit sich tragen.

Im Gegensatz zu „Wir haben noch das ganze Leben“ hinterlässt dieser Roman im Leser eine große Leere. Eine Lehre lässt sich nicht ziehen. Empfehlen kann ich ihn nicht.

Eshkol Nevo: Wir haben noch das ganze Leben (lme)

Juni/2012, Nummer 37  im Buchclub

Erscheinungsdatum: 2010

Genre: Roman

Sprache: Deutsch

Format: Paperback

1. Warum dieses Buch?

Zufällig bin ich auf Eshkol Nevo gestoßen, nachdem ich einen Hinweis im Taschen-Literaturkalender Ende Mai las. Passend zur Fußball EM schlug ich einen Fußballroman vor. Außerdem fand ich den Titel sehr interessant.

2. Welche Erwartungen hattest Du an das Buch?

Eher ein leichtes Buch zu sein, aber auch etwas Neues zu erfahren. Eine Männergeschichte zu lesen, könnte mal etwas anderes sein.

3. Deine persönliche Kurzzusammenfassung…

In diesem Roman handelt es sich um die Erzählung von vier verschiedenen Leben. Er spielt in Israel und aus der Sicht eines der Freunde, wird hier die gesamte Freundschaft mit allen ihren Höhen und Tiefen beleuchtet. All dies geschieht anhand des roten Fadens der unterschiedlichen Fußballweltmeisterschaften.

4. Was hältst Du vom Plot?

Mir hat das sehr gut gefallen. Zum einen mag ich Bücher, in denen Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven erläutert werden, zum anderen fand ich hier sehr interessant, wie der Autor sein Netz spinnt und am Ende alles auflöst.

5. Wie bewertest Du den Beginn des Buches, den Einstieg in die Geschichte?

Der Anfang lässt den Leser gleich in das Buch und seine Geschichte eintauchen. Leider löst Nevo hier schon das Ende seiner Handlung auf, was etwas unglücklich ist, da so keine Spannung entstehen kann.

6. Hat Dir das Ende gefallen?

Wegen des Anfangs ist das Ende leider vorhersehbar und ein im Verhältnis zum übrigen Roman lässt der Autor hier stark nach.

7. Zentrale Themen?

Freundschaft, Fußball und alles drum herum (Liebe, Judentum, Pläne)

8. Wie sind die Charaktere beschrieben?

Die Charaktere sind sehr gut beschrieben. Aber das ist auch nicht anders zu erwarten, schreibt doch hier einer der Freunde selbst, über die, die ihm an nächsten stehen. Außerdem wird das ganze Buch noch von einem weiteren Freund lektoriert. Wir lesen also nicht einen normalen Roman, sondern wir lesen hier ein Buch, das von einer der Hauptfiguren geschrieben wurde und von einer weiteren dann redigiert wird. Damit entstehen verschiedene interessante Metaebenen, mit denen der Autor spielt.

9. Wie ist dem Autor die Gestaltung der Welt, in der die Geschichte spielt, gelungen?

Die Welt schildert Nevo nicht. Hier zählen nur die einzelnen Personen. Er scheint offensichtliche politische Konflikte sogar absichtlich nicht anzusprechen. Es handelt sich hier also um einen Israelroman, der das nicht zum Thema macht.

10. Wie hat Dir die Sprache des Autors gefallen? Sein Stil?

Das Buch ist leicht zu lesen, keineswegs schwer geschrieben.

11. Dein Lieblingszitat/ die Quintessenz des Buches?

Freundschaften sind wichtiger als die meisten anderen Dinge.

12. Intertextualitäten des Buches? Man kann es vergleichen mit…

 

13. Wie ließ sich das Buch lesen?/ Wie lange hast Du gebraucht?

Das Buch ließ sich sehr gut lesen. Ich habe ca. 2 Tage gebraucht.

14. Wie viel hat Dich das Buch gekostet, was ist es Dir wert?

15 Euro und die sind es auch wert.

15. Stärken des Buches?

Thema und Ideen

16. Schwächen des Buches?

Wie gesagt ist es unpassend, dass das Ende bereits am Anfang vorweggenommen wird.

17. Besonderheit des Buches?

Vier Freunde und damit vier verschiedene Leben, die trotzdem zu einer Freundschaft werden.

18. An wen wirst Du das Buch weiterempfehlen?

Das Buch kann man mal getrost auch an Männer weiterempfehlen. Gerade weil es dann am Ende nur peripher um Fußball geht.

19. Ein neues Lieblingsbuch?

Ja. Es hat mir sehr gut gefallen.

20. Aufnahme in die Liste der Besten?

Nein.

21. Hast Du etwas Neues gelernt, hat Dich das Buch verändert?

Ja sicher. Auch wenn ich es nicht genug fassen kann, um es hier festzuschreiben.