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Friedrich Denk: Wer liest, kommt weiter

(lme) Sehr hatten wir uns auf dieses Buch gefreut, das dieses Jahr im Gütersloher Verlagshaus erschienen ist. In ihm geht der Deutschlehrer und Initiator der Weilheimer Hefte den Fragen nach, wozu man lesen sollte, warum wir heute weniger lesen, wo, wann und wie wir lesen können und was wir lesen können.

Generell ist zu diesem Buch anzumerken, dass die Idee natürlich großartig ist. Menschen zum Lesen zu bewegen sollte Ansporn nicht nur für Deutschlehrer, sondern für jeden Bücherfreund sein. Es ist keine Frage, dass das Lesen sowohl intellektuelle als auch emotionale Fähigkeiten und Ausdrucksmöglichkeiten fördert.

Allerdings liegt diesem Buch meiner Meinung nach ein Denkfehler zu Grunde: Niemand, der nicht gerne liest, wird dieses Buch lesen. Der Autor Denk verfehlt hier also sein Publikum, erklärt begeisterten Lesern, warum Lesen besser ist als Internet, Fernsehen und Handy und übersieht dabei die Möglichkeit, dass Internet und Handy eine Entwicklung sind, die sich nicht aufhalten lassen wird und dass es womöglich sinnvoller wäre ein Miteinander der „alten“ mit den „neuen“ Medien zu konzipieren und einen völlig neuen Ansatz zu erfinden.

Leider sind viele Erklärungen, die Denk in seinem Buch findet, etwas platt geraten. Zum Beispiel wenn er über die Gründe schreibt, warum man lieber ein Buch als einen Kindle zur Hand nehmen sollte (S. 230): „Und siebtens kostet das Lesegerät nicht wenig (…, die Buchtexte sind auch nicht umsonst), während ich Tausende von Büchern aus Bücherregalen und aus Bibliotheken gratis lesen kann.“ Soweit ich weiss sind auch die Bücher in den Bibliotheken und Bücherregalen nicht kostenfrei dorthin gekommen. Dies ist also kein Argument gegen den Kauf eines Kindles.

Dennoch: Das Buch hat mich zum Nachdenken über mein eigenes Onlineverhalten angeregt und ich persönlich bin froh es gelesen zu haben, auch wenn ich es nicht weiterempfehlen werde. Allein schon die Zitate zum Lesen sind gut im Kopf zu behalten: (S.138 aus Madame Bovary) „Lisez pour vivre“.

Denk nimmt auf Seite 236 mein Fazit zum vorliegenden Buche vorweg: Nullum esse librum tam malum ut non aliqua parte prodesset.

Die Welt der Bücher

(lme) Will man die Welt der Bücher erkunden, so können heute kaum noch Buchhändler helfen. Woher soll man Tipps und Hinweise bekommen, bei den Fluten an neuen Werken, die monatlich auf den Markt geworfen werden? Da kommt kaum jemand hinterher.

Zwei besondere Internetseiten machen den Weg zu neuen Büchern einfacher.

Unter http://www.literature-map.com/ kann man herausfinden, welchen Autoren man als nächstes lesen sollte, wenn man einen Autoren für sich entdeckt hat.

Literature Map

Auf www.bookdrum.com eröffnet sich einem eine ganz neue Welt um das Buch herum. Es gibt zwar erst 150 Bücher, die hier aufgeführt werden, diese haben es allerdings in sich. Wir finden hier eine Art interaktives Nachwort mit allen Erklärungen, Bildern zum Text und anderen Hintergrundinformationen.Außerdem findet man hier neuerdings 3D Karten, die zeigen, wo Bücher spielen. Die Internetgemeinde hat zur Vervollständigung dieser Karten beigetragen.

Vielleicht sind die Seiten nur eine Spielerei, für uns scheinen sie aber auch die Möglichkeit zu bieten, Menschen näher an Literatur heranzuführen. Und das macht sie allemal sinnvoll.

Online Lesungen

(lme) Geht Lesen auch draußen und in Gemeinschaft? Oder schließt sich dies gegenseitig aus, weil Lesen daheim stattfinden muss, in Konzentration und Ruhe? (So meint Denis Scheck es gäbe kein literarisches Ausgehen.)

Wie sieht es aber mit öffentlichen Lesungen aus? Für viele ist es schier zu langweilig aus einem Buch vorgelesen zu bekommen, wobei man auf (meist) unbequemen Stühlen in (meist) zu hellen Räumen sitzen muss und diese Umstände das Eintauchen in den Mikrokosmos der Literatur gänzlich verhindern. Auch muss man leider allzu oft feststellen, dass ein guter Autor noch lange kein guter Leser sein muss. Dennoch ist es auch etwas Besonderes den Künstler zu beobachten, wie er selbst mit seinem Werk umgeht.

Dafür muss man seit einiger Zeit nicht einmal mehr das Haus verlassen. Unter www.zehnseiten.de  werden Autoren dabei aufgezeichnet, wie sie zehn Seiten aus ihrem Buch vorlesen. Hierdurch kann man daheim, bequem und in Ruhe einen ersten Einblick in das neue Werk erhalten (und zur Not schnell wieder auf „Stopp“ klicken, wenn man merkt, dass hier kein geborener Redner liest). Eine gute Idee, wie wir finden!

Unsere Lieblingslesung ist von Rafik Schami – er braucht keinen Text vor sich, um seine Geschichten dicht und raffiniert zu erzählen, sondern bannt den Leser mit Blickkontakt und Gestik. Ganz im Sinne seiner wunderbaren Literatur selbst.

Besondere Bücher bei Tubuk

(lme) Werfen wir einen Blick auf die Bestsellerlisten, fällt dabei auch eines auf: Es teilen sich die großen Verlage die oberen Plätze. Dabei findet man oft gerade in kleinen Verlagen besondere Bücher, die eine Spitzenposition verdient hätten. Aber in Buchhandlungen und Feuilletons sind sie nur selten zu finden und so ist es oft ein großer Zufall, wenn man auf sie stößt. (An dieser Stelle sei auch die Meyersche Buchhandlung in Köln empfohlen, die ein eigenes Regal für die schönen Bücher der unabhängigen klein-Verlage unterhält.)

Dem möchte Tubuk entgegenwirken. Hier geht es um einen gemeinsamen Onlineshop von unabhängigen Verlagen, deren Bücher „Aufmerksamkeit verdient haben“. Es geht hierbei also zum einen um kleine Verlage und zum anderen um weniger bekannte Autoren. Nichtsdestotrotz kann man auch das Buch der diesjährigen Gewinnerin des Ingeborg Bachmann Preises bei Tubuk erstehen, ist es doch im Wallsteinverlag veröffentlicht worden.