Schlagwort-Archive: Französische Literatur

Jean-Michel Guenassia: Le club des incorrigibles optimistes (as)

November/Dezember 2013, Nummer 50 im Buchclub

Erscheinungsdatum: 2009

Genre: Roman

Sprache: französisch

Format: Taschenbuch

1. Warum dieses Buch?

Das Buch ist in Frankreich viel besprochen worden und hat vor einigen Jahren mehrere Preise gewonnen, wie zum Beispiel den Prix Goncourt des lycéens.

2. Welche Erwartungen hattest Du an das Buch?

Eine mitreißende und heitere, eben optimistische Geschichte zu lesen.

3. Deine persönliche Kurzzusammenfassung…

Michel Marini beschreibt seine Kindheitsjahre im Paris der 60er Jahre. Wir erleben so die Atmosphäre in dieser aufregenden Stadt inmitten des Algerienkriegs und in einem Europa, geteilt durch den eisernen Vorhang. Michel sucht sich ungewöhnliche Freunde: die Mitglieder eines Schachclubs von Exilanten des Ostblocks, die in den Westen geflüchtet sind.

4. Was hältst Du vom Plot?

Gute Geschichte, die verschiedene Fäden zusammenhält und somit ein Panorama schafft.

5. Wie bewertest Du den Beginn des Buches, den Einstieg in die Geschichte?

Gut. Ein zunächst nicht sehr interessante Vorwegnahme, die man sich nach der Lektüre des gesamten Buches nochmal vornehmen sollte. Erst da ergibt sich der Sinn.

6. Hat Dir das Ende gefallen?

Etwas kitschig, aber irgendetwas Tragisches, das dann doch Hoffnung schafft musste passieren.

7. Zentrale Themen?

Freundschaft, Jugend, die Widrigkeiten des Lebens und Paris.

8. Wie sind die Charaktere beschrieben?

Gut.

9. Wie ist dem Autor die Gestaltung der Welt, in der die Geschichte spielt, gelungen?

Glaubwürdig. Wenn man einige zeit in Paris lebt, erkennt man viele Straßen und Orte wieder. Vielleicht sind sie sogar etwas zu oft zitiert. Die Stimmung sollte auch ohne diese expliziten Bezeichnungen auskommen.

10. Wie hat Dir die Sprache des Autors gefallen? Sein Stil?

Gut und flüßig.

11. Dein Lieblingszitat/ die Quintessenz des Buches?

Das Leben ist hart, aber so ist es eben.

12. Intertextualitäten des Buches? Man kann es vergleichen mit…

Es ist eine Art erweiterter Familienroman.

13. Wie ließ sich das Buch lesen?/ Wie lange hast Du gebraucht?

3 Wochen. Es ließ sich sehr locker lesen, kein Problem für die Metro.

14. Wie viel hat Dich das Buch gekostet, was ist es Dir wert?

8,60€, das ist es auch wert.

15. Stärken des Buches?

Liebenswerte Charaktere.

16. Schwächen des Buches?

Ein wenig lang und vielleicht nicht besonders genug. So etwas ähnliches hat man schon gelesen.

17. Besonderheit des Buches?

Gute Frage.

18. An wen wirst Du das Buch weiterempfehlen?

An Leute, die mit einem Schmöker locker etwas abschalten wollen.

19. Ein neues Lieblingsbuch?

Nein.

20. Aufnahme in die Liste der Besten?

Nein.

21. Hast Du etwas Neues gelernt, hat Dich das Buch verändert?

Nein.

Romain Gary: Frühes Versprechen

(as) Romain Gary ist wahrlich eine eindrucksvolle Persönlichkeit. 1914 in Wilna in armen Verhältnissen geboren, kommt er dank seiner Mutter in seiner Jugendzeit nach Frankreich. Pilot während des 2. Weltkriegs und in der Résistance mit dem General Charles de Gaulle, wird er nach dem Krieg zu einem einflussreichen Diplomaten. Un dazu noch zum einzigen Autor, der den Prix Goncourt, den wichtigsten französischen Literaturpreis, zweimal gewinnt (wobei dies sich erst nach seinem Tod herausstellt, als ein Autorenpseudonym bekannt wird). Sein Selbstmord macht ihn auch zu einer rätselhaft traurigen Figur.

Gary hat in einem seiner Romane seine Jugendjahre von Wilna bis zum Ende des Krieges in seinem Roman Frühes Versprechen (auf Französisch eher: „Das Versprechen der Morgendämmerung“) verewigt. Ob wirklich alles so geschah? Wir wollen es gar nicht wissen. Zu hinreißend ist dieser Roman, der vor allem eines ist: Ein Denkmal für ein Mutter, die liebevoller, aufopfernder und unmöglicher nicht sein kann. Sie hat beschlossen, dass aus ihrem Sohn eine eminente Persönlichkeit  wird und er bemüht sich ein Leben lang dieses Vertrauen einzulösen. Wir lachen, wir schmunzeln, wir weinen und genießen das Plätschern  der zahlreichen Anekdoten. Berührender kann man sich Literatur nicht vorstellen.

Romain Gary: La promesse de l’aube (folio, 2012)

Michel Houellebecq: Karte und Gebiet (lme)

März/2013, Nummer 43 im Buchclub

Erscheinungsdatum: 2010

Genre: Roman

Sprache: deutsch

Format: Taschenbuch

1. Warum dieses Buch?

Ich muss gestehen, dass ich von Michel Houllebeqc bis dato noch kein Buch gelesen hatte. Eine Inszenierung seiner „Elementarteilchen“ in München hatte mich abgeschreckt. Als mir das Buch nun von einer Buchhändlerin meines Vertrauens empfohlen wurde (Buchhandlung am Wettersteinplatz, München), war ich erstaunt, aber auch neugierig.

2. Welche Erwartungen hattest Du an das Buch?

Ehrlich gesagt waren meine Erwartungen sehr gering, da ich, wie angedeutet, nicht viel vom Autor hielt (was sich aber mehr auf Hörensagen zurückführen ließ).

3. Deine persönliche Kurzzusammenfassung…

In diesem Buch geht es um die Lebens- und Werkgeschichte des Künstlers Jed Martin. Immer wieder schwimmt Martin mit seinen Kunstwerken gegen den Strom, dennoch wird er von Kritikern immer gepriesen. Seine letzte Ausstellung wird von Houllebeqc kuriert – eine Begegnung mit Folgen. Houllebeqc beschreibt in „Karte und Gebiet“ die Ermordung des Autors Houllebeqc, die aus habgierigem Motiv von einem Sadisten erfolgte.

4. Was hälst Du vom Plot?

Den Plot fand ich spannend erzählt – zum einen, weil sich der Autor selbst in seinem Roman auftreten lässt, zu anderen, weil „Karte und Gebiet“ Popliteratur der anderen Art ist. Hier geht es nicht um die unsinnige Aneinanderreihung von Markennamen, sondern um die Darstellung der heutigen Welt am Beispiel von Kunst und Kultur.

5. Wie bewertest Du den Beginn des Buches, den Einstieg in die Geschichte?

Schon der Einstieg in den Roman macht neugierig. Bereits hier wird das Thema der Kunst und Kultur verdeutlicht. Erst später merken wird, dass es sich bei diesem Teil nur um eine Art Vorrede handelt, die Beschreibung eines Gemäldes, das Jed Martin malt und das eines der letzten seiner Serie der „Berufe“ werden soll.

6. Hat Dir das Ende gefallen?

Ja, das Ende hat mir gut gefallen. Das Ende bricht auch mit den Genrezuteilungen, die man versucht hat vorzunehmen. Ist es nun ein Künstler- oder ein Kriminalroman? Auf welcher Seite stehen wir, welche Bedeutung hat der Tod des Schriftstellers?

7. Zentrale Themen?

Kunst, Kultur, Selbstfindung, Freundschaft, Vater ud Sohn.

8. Wie sind die Charaktere beschrieben?

Die Charaktere kommen mir sehr nah und sind so gut beschrieben, dass man sie in „Karte und Gebiet“ kennenlernt und nun in Museen und Galerien nach Gemälden, die denen von Jed Martin ähnlich sind, Ausschau halten wird.

9. Wie ist dem Autor die Gestaltung der Welt, in der die Geschichte spielt, gelungen?

Sehr gut. Houllebeqc gelingt ein spannender und mitreißender Roman ohne Pornographie.

10. Wie hat Dir die Sprache des Autors gefallen? Sein Stil?

Beides hat mir gut gefallen. Der Roman ließ sich sehr gut lesen und eignet sich in seiner deutschen Übersetzung auch gut zum Vorlesen.

11. Dein Lieblingszitat/ die Quintessenz des Buches?

„Er warf einen besorgten Blick nach links und rechts, aber zum Glück achtete niemand auf ihn, alle Tische waren von Jurastudenten besetzt, die von Feten oder <Juniorpartnern> sprachen, also Dingen, die Jurastudenten interessieren, er konnte in aller Ruhe weinen.“ S. 112

12. Intertextualitäten des Buches? Man kann es vergleichen mit…

Was die Einbindung des Autors in den Roman angeht, so kann man das Buch mit Tilman Rammstedt „Die Abenteuer meines ehemaligen Bankberaters“ vergleichen.

13. Wie ließ sich dan Buch lesen?/ Wie lange hast Du gebraucht?

Es ließ sich sehr gut lesen.

14. Wie viel hat Dich das Buch gekostet, was ist es Dir wert?

9,99 Euro hat es gekostet und es ist die auf jeden Fall auch wert. Eine Hardcoverausgabe wäre ihren Preis auch wert!

15. Stärken des Buches?

Sprache, Stil Themen

16. Schwächen des Buches?

Dass ich vom Autor so abgeschreckt war, dass es der Empfehlung einer mutigen Buchhändlerin bedurfte, um es zu entdecken.

17. Besonderheit des Buches?

Ganz besonders gut hat mir der Umgang mit den Themen Kunst und Kultur gefallen.

18. An wen wirst Du das Buch weiterempfehlen?

Kunst- und Kulturfanatiker.

19. Ein neues Lieblingsbuch?

Ja.

20. Aufnahme in die Liste der Besten?

Das kann ich mir durchaus vorstellen.

21. Hast Du etwas Neues gelernt, hat Dich das Buch verändert?

Nein. Es war einfach eine sehr gute Geschichte. Das reicht ja auch.

Odile Kennel: Was Ida sagt

(lme) Es war das Buchclub Buch vom Monat Oktober und es soll hier, wenn auch in anderer Form, wenigstens kurz besprochen werden. In einer spannenden Familiengeschichte folgt die Autorin Odile Kennel den Spuren der Vergangenheit ihrer Protagonistin Louise. Die findet auf der Beerdigung ihrer Großtante in Frankreich heraus, dass ihre Mutter eine Cousine hat, von der Louise bis dahin noch nichts wusste. Wie diese verzweigten Familienbande aufgedeckt werden, davon handelt das Buch. Alles wird aus den verschiedenen Blickwinkeln der dann drei Hauptfiguren beschrieben.

Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen. Allerdings habe ich in letzter Zeit immer wieder ähnliche Familiengeschichten gelesen. Auch die Perspektivenwechsel sind derzeit en vogue. „Was Ida sagt“ kann ich deshalb als gutes Buch empfehlen, jedoch wird es nicht zu einem Lieblingsbuch werden.

Véronique Olmi: Nummer sechs

(lme) Ein phantastisches kleines Büchlein, das nur ca. 100 Seiten umfasst, liegt hinter uns.

Aus der Sicht der Tochter wird die Geschichte der Familie und teilweise die Lebensgeschichte des Vaters/Großvaters noch einmal erlebt. Sie spricht mit ihrem Vater, den sie zu sich genommen hat, und versucht Erklärungen für das zu finden, was in der Vergangenheit geschehen ist.

Sie, die voller Liebe für den alten Mann ist, betrachtet den Greis der vor ihr sitzt und erinnert sich an die Zeiten, in denen noch er sich um sie kümmerte.

Auf eine ganz besondere Art und Weise fängt Véronique Olmi die Situation und die Gefühle der Protagonistin ein. Ein wirklich empfehlenswertes Buch!

Abdel Sellou: Einfach Freunde

(lme) In diesem Buch versucht sich Abdel Sellou an einer Richtigstellung. Nötig scheint ihm dies geworden zu sein, nachdem er einen Teil seines Lebens im Hollywoodfilm „Ziemlich beste Freunde“ gesehen hat. In diesem Film geht es um das Leben zweier ganz unterschiedlicher Männer, einem Straftäter, der plötzlich das Gute in sich findet und einem Tetraplegiker, der wieder Freude am Leben erfährt.

In „Einfach Freunde“ erzählt der ehemalige Straftäter Abdel Sellou, wie alles begann, wie es zu seiner Arbeit und Freundschaft mit einem Tetraplegiker kam und was er daraus alles gelernt hat. Ein nettes kleines Buch für Zwischendurch, das schnell zu lesen ist und nicht langweilig wird. Literarischen Wert kann man ihm allerdings nicht zuschreiben.

Nils Trede: Das versteinerte Leben

(as) Xavier lebt ein Leben zwischen zwei Inseln in derselben Stadt, die ganze zwei Welten für ihn bedeuten. Auf der einen führt er das Restaurant, das den Lebensinhalt seiner kranken Mutter darstellt. Auf der anderen ist er ein Polizeiarzt, der den Verhafteten ihre Gesundheit bescheinigen soll. Eine junge Frau, die ihrerseits glücklich mit ihrem Freund lebt, wird zu seinem Lichtblick, zu seiner Sehnsucht, zu seiner Obsession in der von Eiseskälte heimgesuchten Stadt. Wird sie seine Lebenshälften zu einem Ganzen machen?

Ein wunderbarer Roman, der zum Einzelgänger in uns, zu dem, der nicht immer gerne seine gesellschaftliche Maske trägt, spricht und von der unglaublichen Verdichtung der Alltagsmomente lebt. Das Essen einer Dorade, die Betriebsfeier in einer Karaoke-Bar, ein heißes Bad, das alles und viel mehr wird zu einem intensiven Erlebnis. Das echte Leben ist zwischen den Zeilen spürbar, mal tragisch, mal berührend, mal Hoffnung schöpfend.

Vom Deutschen Nils Trede ursprünglich auf Französisch vefasst, liegt das Buch nun in seine Muttersprache übersetzt vor. Unbedingt zu empfehlen.