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Katharina Saalfrank: Du bist okay, so wie du bist

(lme) Die „Super-Nanny“ Katharina Saalfrank legt ihren ersten Erziehungsratgeber vor. Doch nein, es handelt sich hier nicht um einen Erziehungsratgeber im herkömmlichen Sinne – die Autorin wendet sich nämlich ab von der Idee der Erziehung.

Vielmehr wünscht sie allen, die mit Kindern zu tun haben, die Möglichkeit eine Beziehung mit den Kindern zu schaffen. Erziehung sei, so Saalfrank, immer von oben herab, ausgeübt durch die Macht der Eltern ihren Kindern gegenüber. Wichtiger jedoch, so die Pädagogin, wäre es, eine Beziehung mit den Kindern einzugehen, und sich auf gleicher Ebene miteinander zu unterhalten.

Wie genau der Umgang mit Kindern dann aussehen könnte, da bleibt Saalfrank leider recht vage. Nur wenige Beispiele durchbrechen ihren Text – da wünschte sich der Laie noch mehr Anregungen. Saalfrank geht davon aus, dass es zu einer Emanzipation des Kindes kommen muss (sie verwendet dieses Wort natürlich nicht, es wäre wohl zu sehr von den Erwachsenen besetzt).

Insgesamt ist dies ein lesenswerter Ratgeber, der helfen will, Kindern auf Augenhöhe zu begegnen und nicht davon ausgeht, dass Kinder Tyrannen oder Nervzwerge sind.

Die Amazon Debatte

(lme) Die ARD deckte in einer Reportage auf, wie amazon sein Weihnachtsgeschäft mit ausländischen Leiharbeitern abwickelt, die oft unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten und leben müssen, die Arbeit beim Internetgiganten aber als ihre einzige Chance sehen, überhaupt Geld zu verdienen.

Was bedeutet das für uns als Leser?

Welchen Vorteil bringt ein Bücherkauf bei amazon? 1. Man bekommt das Buch meist am nächsten Tag, 2. Man muss für den Kauf das Haus nicht verlassen.

Welche Nachteile entstehen? 1. Der Konzern kann mit uns machen, was er will (zum Beispiel seinen ebook reader nur für bei amazon gekaufte ebooks öffnen), 2. Menschen werden ausgebeutet, damit wir unsere Bücher schnell und günstig erhalten. 3. Im Ausland oft: Ein teurerer Preis muss für Bücher gezahlt werden, kauft man sie in einer echten Buchhandlung.

Zu den Vorteilen, die bei einem online-Kauf vermeintlich entstehen, ist zu sagen, dass die meisten Buchhandlungen anbieten, das Buch bis zum nächsten Tag zu bestellen. Und aus dem Haus zu gehen, in einer Buchhandlung zu stöbern, gehört doch eigentlich zum großen Glück der Bibliophilie dazu.

Wir haben uns entschieden: Zurück zum Buchhändler des Vertrauens! Denn der allergrößte Vorteil eines jeden Buchhändlers und einer jeden Buchhändlerin ist: Es gibt niemanden unter ihnen, der seinen Beruf nicht liebt, der nicht mit ganzer Seele Bücher verkauft und empfiehlt.

Literaturkritik im Fernsehen

(lme) An dieser Stelle soll einmal drei wichtigen und guten Literatursendungen im Fernsehen Ehre zu Teil werden. Drei Sendungen sind es, die uns nun teilweise schon über Jahre hinweg begleiten.

Alt ehrwürdig kommt Denis Scheck mit seinem „Druckfrisch“ daher. Für uns ist dies eine gute Literatursendung, weil Scheck seinen eigenen Kopf hat, weil man ihm vertraut, denn er weiß was er tut, und weil er neben den Literaturtipps, die er gibt, auch die aktuelle Spiegel-Bestsellerlisten Sachbuch und Belletristik in die Mangel nimmt.

Das Schweizer Fernsehen strahlt einmal monatlich den Literaturclub aus, bei dem derzeit Stefan Zweifel, Elke Heidenreich, Hildegard E. Keller und Rüdiger Safranski miteinander über vier Bücher diskutieren und am Ende immer noch ein Buch vorstellen, das ihnen besonders am Herzen liegt. Diese Sendung ist großartig, weil hier so viele verschiedene Interessen abgebildet werden, weil sie Schöngeist, Literaturprofessor, klassischen Leser und Publikumsliebling miteinander ins Gespräch bringt und so für jeden etwas zu entdecken ist.

Zu guter Letzt muss noch das relativ neue Format „Bücher und Moor“ vorgestellt werden. Bereits für den Grimme-Preis ist es nominiert und auch wenn ich anfangs skeptisch war – ich kann es nur empfehlen. Hier spricht Dieter Moor mit jeweils einem Prominenten über seine „Lesekarriere“ (bis jetzt waren es Dani Levy, Margot Käßmann und Franz Müntefering). Drei Bücher werden, auf eine ganz neue Art und Weise, besprochen.  Außerhalb des Treffens zwischen Moor und seinem Gast spricht eine Literaturagentin mit dem Autor über dessen Buch. Haben sich die beiden ausgetauscht und ist das Buch somit vorgestellt, diskutieren nun wiederum Moor und Gast über ihren Eindruck. Am Ende muss sich der Gast für ein Buch entscheiden. Hier werden zwei Stränge miteinander verknüpft. Zum einen ist es sehr interessant mehr über die Lesegeschichte einzelner Menschen zu erfahren, zum anderen bekommen wir gleichzeitig drei sehr unterschiedliche neue Bücher vorgestellt.

Man kann sich über diese hochwertigen Formate nur freuen.

Doch ehrlich gesagt: Hätte man in der Zeit gelesen, hätte man seine Zeit noch sinnvoller verbringen können!

Auf dem blauen Sofa

(lme) Auch nach der zweiten Ausgabe des blauen Sofas im ZDF wissen wir immer noch nicht, wieso sich das Format so sehr an ein klobiges Möbelstück bindet, dass nur in der Hälfte aller Interviews transportiert werden kann und teilweise als zweck- und sinnfreies Poster im Goldrahmen mit von der Partie sein muss.

Herles überzeugt nicht. Er steht den Büchern weiterhin nüchtern gegenüber, das Vorlesen mit durchlaufendem Text ist anstrengend, langweilig und gibt keinen tieferen Einblick in die Bücher.

Dennoch muss diese Ausgabe des blauen Sofas vom 4. November unbedingt gesehen werden. Herles interviewt den „Schulbuchautoren“ Siegfried Lenz und der alte Schriftsteller gibt die klügsten und interessantesten Antworten auf sehr gute Fragen (hier also doch ein Lob an Wolfgang Herles).

Herles stellt Siegfried Lenz die Frage, was dieser jungen Leuten, die nicht mehr lesen wollen, sagen möchte und Lenz antwortet: „Euch entgeht eine gückliche Antiftung zu einem bewussten Leben.“ Lenz sagt man solle das Buch „als Einladung zum Vergleich mit dem eigenen Leben annehmen.“ Er glaubt fest an die Zukunft des Buches und der Literatur, denn „die Neugierde auf anderes Leben wird immer bestehen bleiben.“ Vielen Dank Herr Lenz, für diese wichtigen und weisen Worte.

 

Books on TV

(lme) Mit „Das blaue Sofa“ ging am 16.09. 2011 die neue Literaturshow des ZDF auf Sendung. Nach wenigen misslungenen Versuchen der „Leser“ um Amelie Fried und Ijoma Mangold, dem Publikum Bücher näher zu bringen (das ZDF entschuldigte diese mit dem dialogischen Format, das die Leser wohl nicht angesprochen hat), bespricht nun Wolfgang Herles (promovierter Literaturwissenschaftler und Philosoph) auf oder vor dem blauen Sofa seine Bettlektüren.

Über den Wahnsinn ein Sofa via Helikopter auf einen Gletscher zu transportieren, hat man sich bereits an anderer Stelle geäußert. Über die Farce, dass schon der zweite Gast der Sendung, Josef Bierbichler, dann gar nicht auf dem Sofa Platz nehmen möchte, auch.

Für uns stellt die Fragetechnik des Moderatoren das größte Problem dar: Wolfgang Herles hätte wohl in seinem Einführungskurs Literaturwissenschaft besser aufpassen sollen, lernt man dort doch in der ersten Stunde, dass die Figuren des Autors und des Erzählers strikt voneinander zu trennen sind. Scheint die Frage an Trojanow, was er persönlich von der Klimaerwärmung halte, noch einigermaßen legitim, so gehört der Versuch aus Bierbichler herauszukitzeln, dass er in einer Klosterschule missbraucht wurde (wie sein Protagonist) in die unterste Schublade der Literaturkritik. Bild-Niveau bei ZDF.

Doch was macht Herles falsch? Was bieten Kritiker wie Heidenreich und Scheck, was Herrn Herles fehlt? Es ist Authentizität. Sie beschreiben, wieso sie persönlich denken, dass man ein Buch lesen sollte. Sie bringen Bücher nicht nur in ihre Sendung, um sie schlecht zu finden (Denis Scheck kommentiert die Bestsellerliste, weil das die Bücher sind, die gekauft werden und hinterfragt damit kritisch, ob das auch die Bücher sind, die gelesen werden sollten). Doch Wolfgang Herles zerreißt Bücher und vor allem deren Autoren in der Luft, versucht seine Thesen mit gelben Post-Its und Textauszügen, die auf dem Bildschirm erscheinen, zu untermauern.

Gelingen will ihm so scheinbar nichts in seiner Literatursendung, die, obwohl viel geredet und auch dialogisiert wird, dann doch keine Talkshow sein darf. Schade, dass die öffentlich-rechtlichen Sender ihr Geld nicht für positivere Erfahrungen, die das Lesen birgt, ausgeben.