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Eugene McCabe: Schwestern


Schwestern
(lme) Die in der deutschen Übersetzung im Steidl Verlag erschienene Novelle „Schwestern“ des Iren McCabe behandelt das Schicksal zweier ungleicher Schwestern, die in den 1950er Jahren aufwachsen. Beide sind recht unterschiedlich, die eine wird zur vergebungsoffenen Nonne, die andere alleinerziehende Arbeiterin, die ihrer Tochter Vater und Mutter sein muss.

Die Geschichte der beiden kreuzt im Erwachsenenalter wieder, als Carmel aus dem Kloster flieht und bei ihrer Schwester Tricia einzieht. Die unterschiedlichen Ansichten der beiden prallen aufeinander und dennoch bleibt bis zur letzten Seite des Werkes klar, dass sie als Schwestern für immer verbunden sind. Kein Meisterwerk, aber ein gutes Buch.

adriana altaras: titos brille

Titos Brille(lme) Mit „titos brille“ legt die Schauspielerin und Regisseurin Adriana Altaras ihre (jüdischen) Memoiren vor. Sie beschreibt die Lebensgeschichte ihrer Familie, die durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs über die ganze Welt verstreut wurde. Ihre Eltern landeten in Jugoslawien, wo sie Anhänger des Regimes wurden, bis sie sich gegen ebendieses wandten und nach Deutschland emigrierten. Adriana wuchs zunächst bei ihrer Tante in Italien auf, später kam auch sie nach Deutschland, nach Gießen. Heute lebt sie mit ihren zwei Söhnen und ihrem katholischen Mann in Berlin.

Das Buch hat  viele lustige Anekdoten über die einzelnen Familienmitglieder. Die Einblicke, die wir in das moderne jüdische Leben erhalten, sind wichtig und höchst interessant. Leider wird jedoch auch so viel Unwichtiges und Banales in diesem Buch abgearbeitet, dass ich es kaum weiterempfehlen möchte. Die Lebensgeschichte Adriana Altaras selbst scheint vollkommen unpassend in dem größeren Zusammenhang. Es wäre besser gewesen, sie hätte sich da etwas zurückgenommen und nur die echten Charaktere ihrer Familie geschildert.

Zsuzsa Bánk: Der Schwimmer (lme)

August/2013, Nummer 47 im Buchclub

Erscheinungsdatum: 2002

Genre: Roman

Sprache: Deutsch

Format: Taschenbuch

1. Warum dieses Buch?

Schon seit einigen Jahren liegt dieses Buch auf meinem Stapel der zu lesenden Bücher. Als es diesen Monat vorgeschlagen wurde, habe ich es auch als Chance gesehen, einmal einen Blick in meine Bücherkisten im Keller zu werfen. Ich freue mich schon, wenn der Platz es wieder zulässt, dass ich sie in meinem Heim unterbringen kann. 

2. Welche Erwartungen hattest Du an das Buch?

Ich habe von diesem Buch erwartet, dass es mich einfängt. Seit ich es damals kaufte, ist Zsuzsa Bank zu einer bedeutenden Schriftstellerin Deutschlands geworden. An ihr Debüt hatte ich deshalb hohe Erwartungen.

3. Deine persönliche Kurzzusammenfassung…

In diesem Roman geht es um die Geschichte der Kinder Isti und Kata, die im Ungarn der 80er Jahre aufwachsen. Nachdem ihre Mutter nach Deutschland geflüchtet ist, versucht ihr Vater Kalman die Rolle des Alleinerziehenden zu übernehmen. Wir erleben mit, wie der tief gekränkte Mann einen Platz in der Welt sucht und wie die beiden Jugendlichen sich ihre Welt auf sich selbst gestellt erbauen.

4. Was hälst Du vom Plot?

Der Plot des Romans ist mitreißend erzählt. Eine Familiengeschichte, die die einzelnen Mitglieder dieser großen „Familie“ nacheinander beobachtet und Teile ihrer persönlichen Geschichte erzählt.

5. Wie bewertest Du den Beginn des Buches, den Einstieg in die Geschichte?

Bank erschafft einen Rahmen für ihre Geschichte, der in der heutigen Zeit spielt und in dem sich die Ich-Erzählerin Kata an ihre Mutter und an die Zeit ohne sie zurückerinnert. 

6. Hat Dir das Ende gefallen?

Das Ende ist einnehmend, doch irgendwo auch vorhersehbar. Das Buch wird gerade wegen seines Endes im Gedächtnis bleiben.

7. Zentrale Themen?

Familie, Geschwisterliebe, Ungarn, Suche nach dem Ich

8. Wie sind die Charaktere beschrieben?

Bank fächert die Charaktere ihrer Hauptfiguren nicht bis zur Unkenntlichkeit auf, sie lässt dem Geheimnisvollen und Unbekannten genau so viel Raum, wie es nötig ist, damit wir die Personen kennenlernen können, trotzdem aber noch weit genug entfernt bleiben, um die Handlung stets nur von außen zu beobachten.

9. Wie ist dem Autor die Gestaltung der Welt, in der die Geschichte spielt, gelungen?

Sehr gut.

10. Wie hat Dir die Sprache des Autors gefallen? Sein Stil?

Die Sprache hat mir gut gefallen. Typisch für Bank sind Aneinanderreihungen, zum Beispiel: „Er sagte, er höre den Himmel, ganz gleich, wie nah oder weit, ob bewölkt oder wolkenlos, er höre die Trauben, die roten besser als die grünen, und er höre den Staub, der über den Boden weht, wenn sich eine Tür öffne, diese dicken weißen Flocken, die höre er.“

11. Dein Lieblingszitat/ die Quintessenz des Buches?

„Am Abend vor der Abreise verabschiedeten wir uns vom Wasser. Mein Vater hatte versprochen, mit uns hinauszuschwimmen, ein letztes Mal, und es war eines der wenigen Versprechen, die er gab und hielt, vielleicht, weil er sehen konnte, wie es Isti schmerzte, wie er sich unter Schmerzen zu winden schien, seit wir wußten, wir fahren, vielleicht, weil es jeder sehen konnte, selbst Zoltan, der fragte, was ist mit diesem Jungen.“ (S. 223)

12. Intertextualitäten des Buches? Man kann es vergleichen mit…

Ein guter Familienroman, den man mit anderen Familienromanen vergleichen kann. Meiner Meinung nach unterscheidet sich Banks Stil hier nur wenig von dem anderer Autoren von Familienromanen.

13. Wie ließ sich das Buch lesen?/ Wie lange hast Du gebraucht?

Es ließ sich sehr gut lesen. 

14. Wie viel hat Dich das Buch gekostet, was ist es Dir wert?

Ich werde es definitiv behalten, weiß aber nicht mehr, wieviel es gekostet hat, da ich es antiquarisch kaufte. 

15. Stärken des Buches?

Der Plot. 

16. Schwächen des Buches?

Der Gedanke, dass ich es so ähnlich schon gelesen habe.

17. Besonderheit des Buches?

18. An wen wirst Du das Buch weiterempfehlen?

Dieses Buch kann man getrost jedem weiterempfehlen. 

19. Ein neues Lieblingsbuch?

Nein.

20. Aufnahme in die Liste der Besten?

Nein.

21. Hast Du etwas Neues gelernt, hat Dich das Buch verändert?

Nein.

Taiye Selasi: Diese Dinge geschehen nicht einfach so (lme)

Juli/2013, Nummer 46 im Buchclub

Erscheinungsdatum: 2013

Genre: Roman

Sprache: eigentlich Englisch, gelesen jedoch auf Deutsch

Format: Hardcover

1. Warum dieses Buch?

Wenn Väter einem Bücher schenken,
sollte man sie lesen.

2. Welche Erwartungen hattest Du an das Buch?

Auf die Autorin war ich nur kurz aufmerksam geworden, da sie eine derjenigen ist, die dieses Jahr vom Granta Magazin als beste Romanciers gewählt wurden. Mit dem Geschenk kam auch schon gleich eine Begründung: „Das deutsche Feuilleton kriege sich nicht mehr ein ob dieser Autorin“. Ich erwartete also Großes.

3. Deine persönliche Kurzzusammenfassung…

Erzählt wird die Geschichte der Familie Sai, bestehend aus Vater (Kweku), Mutter (Folasadé) und ihren vier Kindern. Wir begleiten jede Figur des Romans einige Zeit ihres Lebens und werden im letzten Teil wieder zur Familie vereint.

4. Was hälst Du vom Plot?

Ich muss zugeben, dass ich ein Faible für Familiengeschichten habe. Deshalb hat mir auch der Plot dieses Buches zugesagt. Hier werden einzelne Fäden miteinander auf wunderbare und intensive Weise verwoben. Dabei lernen wir gleichzeitig noch einiges über Ghana, Nigeria und Afrikaner in den USA. Eine magische Geschichte.

5. Wie bewertest Du den Beginn des Buches, den Einstieg in die Geschichte?

Der Einstieg zieht hinein. Und man merkt: Selasi ist ihre Geschichte mit einem Mal spontan eingefallen. Hier geht es zu einem Interview mit der Autorin.

6. Hat Dir das Ende gefallen?

Das Ende war  nicht besonders unerwartet. Aber das ist bei einem solchen Buch nicht weiter tragisch.

7. Zentrale Themen?

Familie, Afrika, Liebe, Medizin, Erziehung

8. Wie sind die Charaktere beschrieben?

Alle Charaktere sind so intensiv und deutlich beschrieben, dass sie auf den 400 Seiten der deutschen Ausgabe zu Begleitern und Freunden werden. Selasi schafft es die Brücke zu bauen zwischen Leser und Hauptfiguren, so dass die Identifikation, auch wenn man sich in zwei vollkommen unterschiedlichen Welten befindet, gelingt.

9. Wie ist dem Autor die Gestaltung der Welt, in der die Geschichte spielt, gelungen?

Ganz wunderbar.

10. Wie hat Dir die Sprache des Autors gefallen? Sein Stil?

Mir hat die Sprache sehr gut gefallen, allerdings habe ich das Buch „nur“ in der deutschen Übersetzung gelesen und kann daher nichts weiter über das englische Original sagen.

11. Dein Lieblingszitat/ die Quintessenz des Buches?

Alle Sätze dieses Buches sind lesenswert. Deshalb schreibe ich hier einfach irgendeinen als Beispiel auf: (S. 129) „Die Bewegung, nach der sie getastet hat. Oben links, in der Nähe von Sadie, aber dichter beim Herzen, kein Ziehen, keine Enge, auch nicht das Klopfen der Angst, sondern ein Echo, eine Leere, ein Leerwerden. Ein bekanntes Gefühl. Nicht das, wonach die getastet hat und wovor sie sich gefürchtet hat (etwas, das ankündigt, dass dem Kind etwas passiert ist), sondern ein Gefühl, an das sie sich erinnert, unverkennbar, aus früheren Jahrzehnten, eine Erinnerung, von der sie nicht wusste, dass sie noch in ihr ist.“

Selasi ist Meisterin der Schachtelsätze und ist durchdrungen von einer hochaktuellen Sprachgewalt!

12. Intertextualitäten des Buches? Man kann es vergleichen mit…

Man könnte es vergleichen mit Garcia Marquez Werk. Oder auch mit Isabel Allende. Allerdings auf afrikanisch/amerikanisch.

13. Wie ließ sich dan Buch lesen?/ Wie lange hast Du gebraucht?

Das Buch ließ sich sehr gut lesen, ich habe nicht lange gebraucht.

14. Wie viel hat Dich das Buch gekostet, was ist es Dir wert?

Ein Geschenk, das mit wegen der Geste und wegen des Inhalts viel bedeutet.

15. Stärken des Buches?

Alles.

16. Schwächen des Buches?

Nichts.

17. Besonderheit des Buches?

Diese Geschichte, die auch noch im Nachhinein ergreift und die einzelnen Mitglieder der Familie Sai, die man so gut kennenlernt.

18. An wen wirst Du das Buch weiterempfehlen?

Alle.

19. Ein neues Lieblingsbuch?

Ja.

20. Aufnahme in die Liste der Besten?

Ja.

21. Hast Du etwas Neues gelernt, hat Dich das Buch verändert?

Zu wissen wo sie hingehören, das ist es wonach die Menschen in diesem Buch wohl am stärksten Streben.