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Darauf wartet die englischsprachige Buchwelt 2013

(lme) Der „Review“-Teil des Guardian berät uns, worauf wir uns 2013 freuen können. Eine kleine Auswahl möchten wir hier mit unseren Lesern teilen.

Bereits morgen (10.1.) werden die Oscarnominierungen veröffentlicht, bei denen sich dieses Jahr viele Literaturverfilmungen Hoffnung machen können.

Im März wird der Literaturnobelpreisträger JM Coetzee ein neues Buch mit dem Titel „The Childhood of Jesus“ veröffentlichen.

Am 4. April erscheint die neue Ausgabe „Granta’s Best of Young British Novelists“. Eine legendäre Anthologie,  wurden dort doch 1983 Julian Barnes, Ian McEwan, Salman Rushdie und 1993 Alan Hollinghurst, Kazuo Ishiguro und Jeanette Winterson vorgestellt.

Das Gastland der diesjährigen Londoner Buchmesse (ab dem 15.4.) wird die Türkei sein.

Von Julian Barnes wird es ab April ein neues Sachbuch geben: Levels of Life. Man kann gespannt sein, was er sich dieses Mal ausgedacht hat.

Der Mai bringt uns Neuerscheinungen von John le Carré (A Delicate Truth) und Khaled Hosseini (And the Mountains Echoed).

Der September bringt uns Stephen Kings Fortsetzung von The Shining. Doctor Sleep wird von King – Fans mit Spannung erwartet.

Auch der Oktober startet mit einer Fortsetzung durch. Helen Fielding schreibt die „New Bridget Jones“, in der die Autorin 17 Jahre nach Erscheinen der Ur-Bridget eine andere Phase des Lebens ihrer Heldin betrachten wird. Auch von James Bond wird es eine Fortsetzung geben. Der Autor diesmal (nach Jeffrey Deaver und Sebastian Faulks): William Boyd.

Wir sind neugierig, was das Bücherjahr 2013 für die Seitenspinner bereit hält. Unser Januarbuch ist „Im Meer schwimmen Krokodile“ von Fabio Geda, das Ende 2012 erschienen war.

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Edward St Aubyn: At last (as)

April/2012, Nummer 35 im Buchclub

Erscheinungsdatum: 2011

Genre: Roman

Sprache: Englisch

Format: Paperback

1. Warum dieses Buch?

Von Edward St Aubyn haben wir schon „Mother’s Milk“ gelesen, ein eindringliches Buch. Nun erschien der letzte Band seiner „Patrick Melrose“-Serie, der beispielsweise im Time Magazine hoch gelobt wurde.

2. Welche Erwartungen hattest Du an das Buch?

Ein stilistisch anspruchsvolles Werk zu sein, das psychologisch interessant ist.

3. Deine persönliche Kurzzusammenfassung…

Die Handlung vollzeht sich an einem einzigen Tag, der Tag, an dem Patrick Melrose seine Mutter beerdigt. Die inneren Vorgänge und Gedanken der beteiligten Personen werden abwechselnd widergespiegelt, um Patrick schlussendlich eine Erlösung erleben zu lassen.

4. Was hälst Du vom Plot?

Die kurze Handlung der Beerdigung und der Trauerfeier sind nur Anlass für die Erzählung innerer Geschehnisse und Rückblicke der Charaktere.

5. Wie bewertest Du den Beginn des Buches, den Einstieg in die Geschichte?

Guter direkter Einstieg.

6. Hat Dir das Ende gefallen?

Etwas platt und vorhersehbar, aber wohl als notwendig erachtet nach so viel Kummer und Leiden…

7. Zentrale Themen?

Familie, Reichtum, Depression, Lebenssinn.

8. Wie sind die Charaktere beschrieben?

Wir finden uns abwechselnd in die Perspektive der verschiedenen, zahlreichen Charaktere hineinversetzt. In Ordnung.

9. Wie ist dem Autor die Gestaltung der Welt, in der die Geschichte spielt, gelungen?

Überzeugende Beschreibung von Snobismus. In Ordnung.

10. Wie hat Dir die Sprache des Autors gefallen? Sein Stil?

Stilistisch fein gearbeitet.

11. Dein Lieblingszitat/ die Quintessenz des Buches?

Am amüsantesten sind Nicolas Pratt’s Tiraden.

12. Intertextualitäten des Buches? Man kann es vergleichen mit..

Mit den anderen Romanen der Serie: „Never Mind“, „Bad News“, „Some Hope“ und „Mother’s Milk“. Stilistisch typisch britisch.

13. Wie ließ sich dan Buch lesen?/ Wie lange hast Du gebraucht?

Zwei Wochen. Es ließ sich gut lesen.

14. Wie viel hat Dich das Buch gekostet, was ist es Dir wert?

Rund 10 Euro, das ist ok.

15. Stärken des Buches?

Der ironische upper-class Schreibstil.

16. Schwächen des Buches?

Psychologisch nicht immer überzeugend.

17. Besonderheit des Buches?

Man merkt, das es am Ende einer Reihe steht und sollte es wohl auch so lesen.

18. An wen wirst Du das Buch weiterempfehlen?

Ich kann höchsten die gesamte Buchreihe empfehlen, an Leser, die gerne Serien wie „Little Britain“ anschauen.

19. Ein neues Lieblingsbuch?

Nein.

20. Aufnahme in die Liste der Besten?

Nein.

21. Hast Du etwas Neues gelernt, hat Dich das Buch verändert?

Nein. Es war unterhaltsam.

Shortlist Booker Prize

(lme) Die Jury des Booker Prize gab ebenfalls ihre Shortlist Anfang September bekannt. Auch hier beschränkte man sich auf sechs Bücher.

Julian Barnes The Sense of an Ending, Carol Birch Jamrach’s Menagerie, Patrick deWitt The Sisters Brothers, Esi Edugyan Half Blood Blues, Stephen Kelman Pigeon English, und A D Miller Snowdrops.

Snowdrops, das  sich mit einem Anwalt aus Moskau beschäftigt, scheint uns zu untypisch um den Booker Prize zu gewinnen. Für Pigeon English spräche der Plot um einen Jungen, der aus Ghana nach England kommt und die dortige Gesellschaft studiert, dagegen spricht allerdings die Wahl der Perspektive eines Jungen. Die Geschichte, die Half Blood Blues spinnt, handelt von einer Musikcombo, die sich durch das Europa kurz vor dem zweiten Weltkrieg musiziert. Gewinnen könnte dieses Buch wegen seines Themas, allerdings gewann erst 2009 mit Wolf Hall von Hilary Mantel ein historischer Roman. Dasselbe gilt für The Sisters Brothers, hinzu kommt, dass dieser Roman in den Vereinigten Staaten spielt. Gegen Carol Birchs Buch spricht hauptsächlich das Cover, das zu sehr auf Frauenroman ausgelegt ist und so wohl keinen derart berühmten Preis ergattern kann.

Unser Tipp ist daher Julian Barnes, der bereits dreimal zuvor auf der Shortlist des Booker Prize stand (mit Arthur and George, England,England and Flaubert’s Parrot). Wieder einmal schafft er eine detaillierte Analyse der englischen Mittelschicht. Vieles lässt Barnes in seinem eher kurzen Buch zwar weg, doch schafft genau das dann den Raum, den die Phantasie zur Fiktion benötigt.

Eine Stadt ohne Buchhandlung…

(lme) In den letzten 11 Jahren mussten in Großbritannien 2000 Buchhandlungen schliessen, wie der Telegraph berichtete. Damit gibt es ca. 600 Orte in England, die keine einzige Buchhandlung mehr besitzen.

Was ist davon zu halten? Auf der einen Seite sind Bücher heute über das Internet in kurzer Zeit erhältlich, oftmals schneller als in jeder Buchhandlung. Auf der anderen Seite ist eine Stadt ohne Bücher wie ein Mensch ohne Seele (frei nach Cicero).

Doch vielleicht sind die Zeiten der Buchhandlungen auch einfach vergangen und Bücher trotzdem noch nicht ausgestorben. Heute kann man jedes Buch der Welt innerhalb weniger Sekunden im Internet finden und lesen, man kann Auszüge markieren, drucken und seine ganze Bibliothek auf jede Reise mitnehmen. Das eröffnet vollkommen neue Möglichkeiten und ist eine Entwicklung, vor der wir uns nicht verschliessen können, selbst wenn wir wollten.

Büchern wird es vielleicht anders ergehen als Schallplatten, denn sie wurden von Institutionen gesammelt, die sie aufbewahren werden, solange sie können. Und dennoch werden auch diese Institutionen, wie Bibliotheken, Universitäten und private Sammler umdenken müssen. Umberto Eco verhalf mir zu diesem Umdenken durch sein Buch „Die Kunst des Bücherliebens“, in dem er beschreibt, dass Verlage heute Papier verwenden, das nicht für die Ewigkeit gemacht ist (anders als Bücher aus dem 17. und 18 Jahrhundert). Aktuelle Bücher werden die nächsten 100 Jahre sicherlich nicht überstehen. Es sei denn, man hat sie auf seiner Festplatte gespeichert…

Wie steht ihr zur „digitalen Revolution“?

Daphne du Maurier: Mein Cornwall. Schönheit und Geheimnis

(lme) Das ununterbrochene Dröhnen des Wassers ist gleichgeblieben, ebenso wie der Sturz des Schaums in das Meer, ebenso die schlüpfrige Oberfläche der Felsen, die, ob Winter, ob Sommer, nie trocknet.“

Als du Maurier das Buch, „eines der bedeutendsten Werke der Reiseliteratur“, 1966 verfasst, scheint Cornwall noch in einer Art Schlaf zu liegen. Sie beschreibt die Vergangenheit des englischen Landstriches in dem schon König Artus und Tristan und Isolde gelebt haben sollen und schafft es dabei, die Natur und die Menschen real darzustellen.

Zu empfehlen ist dieses Buch aber hauptsächlich in Verbindung mit einem tatsächlichen Besuch der englischen Südwestküste. Denn dieses Paradies auf Erden lässt sich nur schwer in Worte fassen.