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Katharina Saalfrank: Du bist okay, so wie du bist

(lme) Die „Super-Nanny“ Katharina Saalfrank legt ihren ersten Erziehungsratgeber vor. Doch nein, es handelt sich hier nicht um einen Erziehungsratgeber im herkömmlichen Sinne – die Autorin wendet sich nämlich ab von der Idee der Erziehung.

Vielmehr wünscht sie allen, die mit Kindern zu tun haben, die Möglichkeit eine Beziehung mit den Kindern zu schaffen. Erziehung sei, so Saalfrank, immer von oben herab, ausgeübt durch die Macht der Eltern ihren Kindern gegenüber. Wichtiger jedoch, so die Pädagogin, wäre es, eine Beziehung mit den Kindern einzugehen, und sich auf gleicher Ebene miteinander zu unterhalten.

Wie genau der Umgang mit Kindern dann aussehen könnte, da bleibt Saalfrank leider recht vage. Nur wenige Beispiele durchbrechen ihren Text – da wünschte sich der Laie noch mehr Anregungen. Saalfrank geht davon aus, dass es zu einer Emanzipation des Kindes kommen muss (sie verwendet dieses Wort natürlich nicht, es wäre wohl zu sehr von den Erwachsenen besetzt).

Insgesamt ist dies ein lesenswerter Ratgeber, der helfen will, Kindern auf Augenhöhe zu begegnen und nicht davon ausgeht, dass Kinder Tyrannen oder Nervzwerge sind.

Literaturkritik im Fernsehen

(lme) An dieser Stelle soll einmal drei wichtigen und guten Literatursendungen im Fernsehen Ehre zu Teil werden. Drei Sendungen sind es, die uns nun teilweise schon über Jahre hinweg begleiten.

Alt ehrwürdig kommt Denis Scheck mit seinem „Druckfrisch“ daher. Für uns ist dies eine gute Literatursendung, weil Scheck seinen eigenen Kopf hat, weil man ihm vertraut, denn er weiß was er tut, und weil er neben den Literaturtipps, die er gibt, auch die aktuelle Spiegel-Bestsellerlisten Sachbuch und Belletristik in die Mangel nimmt.

Das Schweizer Fernsehen strahlt einmal monatlich den Literaturclub aus, bei dem derzeit Stefan Zweifel, Elke Heidenreich, Hildegard E. Keller und Rüdiger Safranski miteinander über vier Bücher diskutieren und am Ende immer noch ein Buch vorstellen, das ihnen besonders am Herzen liegt. Diese Sendung ist großartig, weil hier so viele verschiedene Interessen abgebildet werden, weil sie Schöngeist, Literaturprofessor, klassischen Leser und Publikumsliebling miteinander ins Gespräch bringt und so für jeden etwas zu entdecken ist.

Zu guter Letzt muss noch das relativ neue Format „Bücher und Moor“ vorgestellt werden. Bereits für den Grimme-Preis ist es nominiert und auch wenn ich anfangs skeptisch war – ich kann es nur empfehlen. Hier spricht Dieter Moor mit jeweils einem Prominenten über seine „Lesekarriere“ (bis jetzt waren es Dani Levy, Margot Käßmann und Franz Müntefering). Drei Bücher werden, auf eine ganz neue Art und Weise, besprochen.  Außerhalb des Treffens zwischen Moor und seinem Gast spricht eine Literaturagentin mit dem Autor über dessen Buch. Haben sich die beiden ausgetauscht und ist das Buch somit vorgestellt, diskutieren nun wiederum Moor und Gast über ihren Eindruck. Am Ende muss sich der Gast für ein Buch entscheiden. Hier werden zwei Stränge miteinander verknüpft. Zum einen ist es sehr interessant mehr über die Lesegeschichte einzelner Menschen zu erfahren, zum anderen bekommen wir gleichzeitig drei sehr unterschiedliche neue Bücher vorgestellt.

Man kann sich über diese hochwertigen Formate nur freuen.

Doch ehrlich gesagt: Hätte man in der Zeit gelesen, hätte man seine Zeit noch sinnvoller verbringen können!