Schlagwort-Archive: Deutsche Literatur

Norbert Zähringer: Bis zum Ende der Welt

(lme) Von Nobert Zähringer hatte ich bereits einige Bücher gelesen, so dass ich mich auf diesen 2012 erschienenen Roman freute. Der Autor beschreibt die Geschichte einer jungen Ukrainerin und eines älteren Deutschen, die die Liebe zu den Sternen verbindet. Anna soll Laska, der nur noch ein halbes Jahr zu leben hat, bei seinem Sterben begleiten. zaehringer

Leider schafft es Zähringer auf keiner Seite des Buches mich als Leser anzusprechen. Er versucht mindestens zwei Plots miteinander zu verbinden, die überhaupt nicht zueinander wollen. Da erzählt er auf der einen Seite die Geschichte Annas, dann die Geschichte Laskas und dann auch noch die eines portugiesischen Polizisten, die sich, vollkommen willkürlich zusammengeschrieben, gegen Ende des Buches treffen. Das passt von Vorne bis Hinten nicht.

 

Olga Grjasnowa: Der Russe ist einer, der Birken liebt (lme)

Februar 2014, Nummer 52 im Buchclub

_MG_9332

Erscheinungsdatum: 2013

Genre: Roman

Sprache: Deutsch

Format: Taschenbuch

1. Warum dieses Buch?

Als Bestseller lag es auf den Verkaufstischen aus, die kühle Ironie lud ein und die verschiedenen Kulturen und Traditionen, die das Buch auf seinem Buchrücken anpreist klangen interessant.

2. Welche Erwartungen hattest Du an das Buch?

Ich erwartete, die spannende Geschichte einer jungen Dame zu lesen und mit ihr Kulturen und Länder zu erforschen.

3. Deine persönliche Kurzzusammenfassung…

Mascha ist auf der Suche, nach sich, nach Liebe und nach einer Heimat. Sie klammert sich an Momente, an Orte und an Menschen, die ihr alle durch die Finger zu gleiten scheinen. Das Buch ist surreal, immer weiter fiebert Mascha so wie ihr Freund Elias und lässt den Leser am Ende heillos im Stich und auf sich allein gestellt auf einem Schlachtfeld zurück.

4. Was hältst Du vom Plot?

Die Story, die Grjasnowa uns hier erzählt ist völlig verworren und hat mich überhaupt nicht mitgenommen. Ich war ehrlich gesagt froh, als das Buch endlich zu Ende war.

5. Wie bewertest Du den Beginn des Buches, den Einstieg in die Geschichte?

In Medias Res: Menschen urinieren in Maschas Hauseingang und viel besser wird es leider auch nicht.

6. Hat Dir das Ende gefallen?

Nein. Wie schon angedeutet bleibt der Leser einfach zurück.

7. Zentrale Themen?

Suche, Liebe, Freundschaft, Identität, Judentum?

8. Wie sind die Charaktere beschrieben?

Überhaupt nicht gut. Alle miteinander blieben mir so fern, dass ich mit keinem einzigen Mitleid haben konnte.

9. Wie ist dem Autor die Gestaltung der Welt, in der die Geschichte spielt, gelungen?

Grjasnowa beschreibt eine Welt, die so vielleicht ist, zu der die Sprache, die sie wählt aber keineswegs passt. Zum Beispiel gleich auf der ersten Seite: „Jeden Morgen, gegen fünf, luden die Väter, Brüder, Cousins unter unseren Fenstern ihre Kleintransporter aus, knallten mit den Türen, bauten ihre Stände auf, tranken Tee, kochten Maiskolben und warteten, dass die Straße sich füllte und sie mit ihrem automatisierten Singsang ihr Obst anpreisen konnten.“ Hier fehlt es doch vollkommen an empathischer Sprache. Grjasnowa beschreibt in langen Sätzen, mit Wörtern, die hier wohl kaum in den Zusammenhang passen, was da unter ihrem Fenster vor sich geht – „Kleintransporter“, das ist ein Wort, das hier ganz falsch klingt. Und so geht es über den gesamten Kurzroman weiter.

10. Wie hat Dir die Sprache des Autors gefallen? Sein Stil?

Die Sprache ist gut, aber sie passt nicht zu dieser Story.

11. Dein Lieblingszitat/ die Quintessenz des Buches?

Da konnte ich nichts finden

12. Intertextualitäten des Buches? Man kann es vergleichen mit…

 

13. Wie ließ sich das Buch lesen?/ Wie lange hast Du gebraucht?

Schnelles Lesen musste hier sein!

14. Wie viel hat Dich das Buch gekostet, was ist es Dir wert?

9,90 €. Das war es nicht wert.

15. Stärken des Buches?

 

16. Schwächen des Buches?

Sprache und Story passen nicht zusammen.

17. Besonderheit des Buches?

 

18. An wen wirst Du das Buch weiterempfehlen?

Ich werde es nicht weiterempfehlen. 

19. Ein neues Lieblingsbuch?

Nein.

20. Aufnahme in die Liste der Besten?

Nein.

21. Hast Du etwas Neues gelernt, hat Dich das Buch verändert?

Nein.

Volker Weidermann: Ostende



Ostende(lme) 
1936, Sommer einer Freundschaft, so nennt Weidermann seinen novellenartigen Fokus auf den kleinen Badeort Ostende in Belgien, der in den 1930er Jahren von emigrierten Literaten aus Deutschland zu einem Herd der Kultur und vor allem der Literatur gemacht wurde. Hier trafen sie sich alle, Joseph Roth, Stefan Zweig, Irmgard Keun, die Manns, E.E. Kisch. Und hier debattierten, lachten und tranken sie gemeinsam, fernab von Deutschland in dem es zu brodeln begann.

Mit diesem Buch beschert uns Weidermann ein literarisches Ereignis. Auf der einen Seite lernen wir etwas dazu, über die Exilliteraten und ihre Verbindungen zueinander, auf der anderen Seite haben wir aber auch ein literarisches Buch vor uns liegen, dass sehr gut geschrieben und leicht zu lesen ist. Weidermann schreibt eine Mischung aus Fiktion und Sachbuch und weckt unser Interesse an den beschriebenen Autoren.

Dieses Buch ist empfehlenswert für all diejenigen, die gerne mal ein Sachbuch zur Hand nehmen, genauso für die, die sich mehr für die „große“ Literatur interessieren. Ein Glücksgriff!

Daniel Glattauer: Die Wunderübung. Eine Komödie

(lme) In seinem neuesten, sehr kurzen, Werk, beschäftigt sich Daniel Glattauer wieder einmal mit Beziehungen. Dieses Mal stellen sich die beiden Protagonisten Joana und Valentin einer Paartherapie. Das Buch ist in dramatischer Form geschrieben und es scheint, als hätte Glattauer nicht viel Zeit auf das Schreiben verwendet. Hier ist es mehr die Idee des Plots, die zählt. Es tut dem Werk gut, dass es den Eindruck erweckt, schnell geschrieben zu sein. Die Charaktere sollen genau so offen bleiben, wie sie dargestellt werden. Schließlich ist es Ziel der Komödie eine „lasterhafte“ Handlung nachzuahmen und den Zuschauer nicht nur zu belustigen, sondern auch zu erbauen, so Gottsched.

Natürlich geht die Handlung unerwartet aus, wobei auch dieses „unerwartet“ hier relativ ist. Man kann das Ende spätestens ab der zweiten Hälfte der Komödie dann doch vorhersehen.

Insgesamt ein nettes kleines Büchlein und für all diejenigen, die weniger lesen, als Wiedereinstieg in die großen Komödien denkbar. Hoffentlich…

adriana altaras: titos brille

Titos Brille(lme) Mit „titos brille“ legt die Schauspielerin und Regisseurin Adriana Altaras ihre (jüdischen) Memoiren vor. Sie beschreibt die Lebensgeschichte ihrer Familie, die durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs über die ganze Welt verstreut wurde. Ihre Eltern landeten in Jugoslawien, wo sie Anhänger des Regimes wurden, bis sie sich gegen ebendieses wandten und nach Deutschland emigrierten. Adriana wuchs zunächst bei ihrer Tante in Italien auf, später kam auch sie nach Deutschland, nach Gießen. Heute lebt sie mit ihren zwei Söhnen und ihrem katholischen Mann in Berlin.

Das Buch hat  viele lustige Anekdoten über die einzelnen Familienmitglieder. Die Einblicke, die wir in das moderne jüdische Leben erhalten, sind wichtig und höchst interessant. Leider wird jedoch auch so viel Unwichtiges und Banales in diesem Buch abgearbeitet, dass ich es kaum weiterempfehlen möchte. Die Lebensgeschichte Adriana Altaras selbst scheint vollkommen unpassend in dem größeren Zusammenhang. Es wäre besser gewesen, sie hätte sich da etwas zurückgenommen und nur die echten Charaktere ihrer Familie geschildert.

Deutscher Buchpreis 2013: Die Longlist

(lme) Es ist wieder so weit – der Sommer neigt sich dem Ende zu und die Longlists zu den Buchpreisen der Welt erscheinen. Vor Kurzem hat die Jury des Deutschen Buchpreises die zwanzig Romane publik gemacht, die sie für die besten Deutschen des Jahres halten. Die folgenden Romane haben das Glück, auf der Liste zu stehen.

Mirko Bonné: Nie mehr Nacht
Ralph Dutli: Soutines letzte Fahrt
Thomas Glavinic: Das größere Wunder
Norbert Gstrein: Eine Ahnung vom Anfang
Reinhard Jirgl: Nichts von euch auf Erden
Daniel Kehlmann: F
Judith Kuckart: Wünsche
Olaf Kühl: Der wahre Sohn
Dagmar Leupold: Unter der Hand
Jonas Lüscher: Frühling der Barbaren
Clemens Meyer: Im Stein
Joachim Meyerhoff: Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war
Terézia Mora: Das Ungeheuer
Marion Poschmann: Die Sonnenposition
Thomas Stangl: Regeln des Tanzes
Jens Steiner: Carambole
Uwe Timm: Vogelweide
Nellja Veremej: Berlin liegt im Osten
Urs Widmer: Reise an den Rand des Universums
Monika Zeiner: Die Ordnung der Sterne über Como

Zsuzsa Bánk: Der Schwimmer (lme)

August/2013, Nummer 47 im Buchclub

Erscheinungsdatum: 2002

Genre: Roman

Sprache: Deutsch

Format: Taschenbuch

1. Warum dieses Buch?

Schon seit einigen Jahren liegt dieses Buch auf meinem Stapel der zu lesenden Bücher. Als es diesen Monat vorgeschlagen wurde, habe ich es auch als Chance gesehen, einmal einen Blick in meine Bücherkisten im Keller zu werfen. Ich freue mich schon, wenn der Platz es wieder zulässt, dass ich sie in meinem Heim unterbringen kann. 

2. Welche Erwartungen hattest Du an das Buch?

Ich habe von diesem Buch erwartet, dass es mich einfängt. Seit ich es damals kaufte, ist Zsuzsa Bank zu einer bedeutenden Schriftstellerin Deutschlands geworden. An ihr Debüt hatte ich deshalb hohe Erwartungen.

3. Deine persönliche Kurzzusammenfassung…

In diesem Roman geht es um die Geschichte der Kinder Isti und Kata, die im Ungarn der 80er Jahre aufwachsen. Nachdem ihre Mutter nach Deutschland geflüchtet ist, versucht ihr Vater Kalman die Rolle des Alleinerziehenden zu übernehmen. Wir erleben mit, wie der tief gekränkte Mann einen Platz in der Welt sucht und wie die beiden Jugendlichen sich ihre Welt auf sich selbst gestellt erbauen.

4. Was hälst Du vom Plot?

Der Plot des Romans ist mitreißend erzählt. Eine Familiengeschichte, die die einzelnen Mitglieder dieser großen „Familie“ nacheinander beobachtet und Teile ihrer persönlichen Geschichte erzählt.

5. Wie bewertest Du den Beginn des Buches, den Einstieg in die Geschichte?

Bank erschafft einen Rahmen für ihre Geschichte, der in der heutigen Zeit spielt und in dem sich die Ich-Erzählerin Kata an ihre Mutter und an die Zeit ohne sie zurückerinnert. 

6. Hat Dir das Ende gefallen?

Das Ende ist einnehmend, doch irgendwo auch vorhersehbar. Das Buch wird gerade wegen seines Endes im Gedächtnis bleiben.

7. Zentrale Themen?

Familie, Geschwisterliebe, Ungarn, Suche nach dem Ich

8. Wie sind die Charaktere beschrieben?

Bank fächert die Charaktere ihrer Hauptfiguren nicht bis zur Unkenntlichkeit auf, sie lässt dem Geheimnisvollen und Unbekannten genau so viel Raum, wie es nötig ist, damit wir die Personen kennenlernen können, trotzdem aber noch weit genug entfernt bleiben, um die Handlung stets nur von außen zu beobachten.

9. Wie ist dem Autor die Gestaltung der Welt, in der die Geschichte spielt, gelungen?

Sehr gut.

10. Wie hat Dir die Sprache des Autors gefallen? Sein Stil?

Die Sprache hat mir gut gefallen. Typisch für Bank sind Aneinanderreihungen, zum Beispiel: „Er sagte, er höre den Himmel, ganz gleich, wie nah oder weit, ob bewölkt oder wolkenlos, er höre die Trauben, die roten besser als die grünen, und er höre den Staub, der über den Boden weht, wenn sich eine Tür öffne, diese dicken weißen Flocken, die höre er.“

11. Dein Lieblingszitat/ die Quintessenz des Buches?

„Am Abend vor der Abreise verabschiedeten wir uns vom Wasser. Mein Vater hatte versprochen, mit uns hinauszuschwimmen, ein letztes Mal, und es war eines der wenigen Versprechen, die er gab und hielt, vielleicht, weil er sehen konnte, wie es Isti schmerzte, wie er sich unter Schmerzen zu winden schien, seit wir wußten, wir fahren, vielleicht, weil es jeder sehen konnte, selbst Zoltan, der fragte, was ist mit diesem Jungen.“ (S. 223)

12. Intertextualitäten des Buches? Man kann es vergleichen mit…

Ein guter Familienroman, den man mit anderen Familienromanen vergleichen kann. Meiner Meinung nach unterscheidet sich Banks Stil hier nur wenig von dem anderer Autoren von Familienromanen.

13. Wie ließ sich das Buch lesen?/ Wie lange hast Du gebraucht?

Es ließ sich sehr gut lesen. 

14. Wie viel hat Dich das Buch gekostet, was ist es Dir wert?

Ich werde es definitiv behalten, weiß aber nicht mehr, wieviel es gekostet hat, da ich es antiquarisch kaufte. 

15. Stärken des Buches?

Der Plot. 

16. Schwächen des Buches?

Der Gedanke, dass ich es so ähnlich schon gelesen habe.

17. Besonderheit des Buches?

18. An wen wirst Du das Buch weiterempfehlen?

Dieses Buch kann man getrost jedem weiterempfehlen. 

19. Ein neues Lieblingsbuch?

Nein.

20. Aufnahme in die Liste der Besten?

Nein.

21. Hast Du etwas Neues gelernt, hat Dich das Buch verändert?

Nein.