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Urs Widmer: Reise an den Rand des Universums

(lme) Ich lese nicht gerne Autobiographien – seien wir mal ehrlich, die meisten Leute haben nichts zu sagen und nichts wichtiges erlebt, oder sie können nicht gut schreiben. Urs Widmer hat mich in seiner „Reise an den Rand des Universums“ eines besseren belehrt.

Was hat er erlebt? Man kann sagen: Nichts besonderes. Weltgeschichte hat er in seinem Leben nicht geschrieben. Und trotzdem – hier hat einer sein Leben gelebt. Hier hat einer etwas für widmersich erlebt und viele Erfahrungen gesammelt, die vielleicht nicht für die Welt von Bedeutung waren, aber für ihn. Er hat viel gesehen, viele Freundschaften geschlossen, durch seine Familie eine ganz besondere Art von Kindheit gehabt, er hat Frauen kennengelernt und wieder aus den Augen verloren und er beschreibt auch, wie er ans Schreiben kam.

Als Urs Widmer diese Autobiographie 2013 beendet, kennt er wohl schon mehr Details über sein Schicksal, als seine Leser und Leserinnen. Auch deshalb ist dies ein so wichtiges und rundum lesenswertes Buch, das wunderbare Anekdoten aber auch viele Lebensweisheiten bereithält.

Lest! Los, lest!

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adriana altaras: titos brille

Titos Brille(lme) Mit „titos brille“ legt die Schauspielerin und Regisseurin Adriana Altaras ihre (jüdischen) Memoiren vor. Sie beschreibt die Lebensgeschichte ihrer Familie, die durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs über die ganze Welt verstreut wurde. Ihre Eltern landeten in Jugoslawien, wo sie Anhänger des Regimes wurden, bis sie sich gegen ebendieses wandten und nach Deutschland emigrierten. Adriana wuchs zunächst bei ihrer Tante in Italien auf, später kam auch sie nach Deutschland, nach Gießen. Heute lebt sie mit ihren zwei Söhnen und ihrem katholischen Mann in Berlin.

Das Buch hat  viele lustige Anekdoten über die einzelnen Familienmitglieder. Die Einblicke, die wir in das moderne jüdische Leben erhalten, sind wichtig und höchst interessant. Leider wird jedoch auch so viel Unwichtiges und Banales in diesem Buch abgearbeitet, dass ich es kaum weiterempfehlen möchte. Die Lebensgeschichte Adriana Altaras selbst scheint vollkommen unpassend in dem größeren Zusammenhang. Es wäre besser gewesen, sie hätte sich da etwas zurückgenommen und nur die echten Charaktere ihrer Familie geschildert.

Isabel Allende: Paula

(lme) Dieses Buch geht unter die Haut, beschreibt Allende hierin doch die Lebensgeschichte ihrer eigenen Tochter Paula, die von heute auf morgen an einer unheilbaren Krankheit leidet und für die die Ärzte nichts mehr tun können. Die Mutter (Isabel Allende) und der Ehemann der Tochter sitzen tagtäglich bei ihr und müssen mit ansehen, wie ihr Kind bzw. ihre Frau im Koma nur noch vor sich hin vegetiert und am Ende den Kampf gegen die Krankheit verliert.

Anhand der Krankheit der Tochter erzählt Allende auch von ihrem eigenen Leben und von der Geschichte ihres Heimatlandes Chile. Spannend bleibt das Buch von der ersten bis zur letzten Seite. Es hat mich tief berührt.

Ich empfehle es allen Lesern, die sich für Weltgeschichte, für Südamerika, und für mitreißende Bücher interessieren. Hier liegt eine der intensivsten Leseerfahrungen vor ihnen.