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Helga Beyersdörfer: Die Nachmittagskinder

(lme) nachmittagskinder1„So liest man heute“ steht am unteren Ende des Buchrückens, und damit bringt der Knaur Verlag, in dem „Die Nachmittagskinder“ der Autorin Helga Beyersdörfer erschienen ist, den Inhalt dieses Romans auf den Punkt.

Erzählt, wie die „Schiffsmeldungen“ von Annie Proulx, wird hier die Geschichte der Bewohner einer Hauses. Zu Beginn des Romans leben sie ihre unterschiedlichen Leben. Jeder geht auf seine Weise dem anderen aus dem Weg. Erst als die neunzehnjährige Jolande im Souterrain des Hauses ein Büro für bezahlte Dienstleistungen aufmacht, kommen sich die Mieter und Eigentümer näher. Bald schon wird aus den Nachbarn eine Gemeinschaft.

Das Buch ist meines Erachtens eher für Jugendliche geeignet, die sich noch besser in die Hauptfigur, die mitten in den Abiprüfungen steckt und oft mit ihrer Mutter aneinander gerät, hinein versetzen können. Besonders ist dennoch der Stil, den die Autorin für ihren Roman wählt. Er erinnert an den Film „Amélie“, da Beyersdörfer Sätze wie diesen schreibt: „An dieser Stelle verlassen wir taktvoll das traurige alte Paar.“  Der Erzähler spricht den Leser direkt an und scheint seinen Blicken durchs Haus zu folgen. Wie mit der Kamera (Beyersdörfer arbeitet auch fürs Fernsehen) wechselt hier immer wieder die Szenerie.

Fazit: Eine gelungene Ferienlektüre für Jedermann. Ausserhalb der Ferien eher ein Jugendbuch.

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Longlist Man Booker Prize 2013

(lme) Neben anderen kleinen Sensationen, die England dieser Tage erlebt, kam es auch bei der Veröffentlichung der Longlist des diesjährigen Booker Prizes zu vor Staunen geöffneten Mündern. 

Die dreizehn Romane, die dieses Jahr Einzug in die Longlist erhielten, sind:

Tash Aw: Five Star Billionaire 

NoViolet Bulawayo: We Need New Names 
 
Eleanor Catton: The Luminaries
 
Jim Crace: Harvest 
 
Eve Harris: The Marrying of Chani Kaufman
 
Richard House: The Kills
 
Jhumpa Lahiri: The Lowland 
 
Alison MacLeod: Unexploded 
 
Colum McCann:  TransAtlantic 
 
Charlotte Mendelson: Almost English
 
Ruth Ozeki: A Tale for the Time Being 
 
Donal Ryan: The Spinning Heart 
 
Colm Tóibín : The Testament of Mary 

 

Nur zwei, der dreizehn nominierten Autoren, standen schon einmal auf der Longlist: Colm Toibin (dessen Buch „Brooklyn“ wir 2011 hier besprochen hatten) und Jim Crace. Dieses Jahr haben es sogar drei Debütromane auf die Liste geschafft: We Need New Names, The Marrying of Chani Kaufman und The Spinning Heart. 

Viele der Bücher sind noch nicht erschienen, umso spannender wird ein so weit wie mögliches Mitlesen der Liste sein. 

We read indie

(lme) Einige Literatur-Blogger und -Bloggerinnen haben schon vor einiger Zeit das Portal „We read Indie“ sowohl bei Facebook, als auch bei wordpress eröffnet. Sie bemühen sich darum, auf die Literatur aus unabhängigen Verlagen aufmerksam zu machen. Dabei rezensieren sie Bücher, machen Interviews mit Autoren oder besuchen Buchhandlungen, die Bücher unabhängiger Verlage verkaufen.

Besonders die Liste der unabhängigen Verlage ist interessant, da es sowohl bei Internetbuchhandlungen, wie auch bei echten Buchhandlungen teilweise schwer ist, Bücher dieser Verlage zu finden.

Besonders einfach ist es über das Onlineportal Tubuk (bereits 2011 haben wir darüber informiert) Bücher unabhängiger Verlage zu bestellen.

Wir wünschen dem We read Indie-Blog weiterhin viel Aufmerksamkeit!

Granta 123: Best of Young British Novelists 4

(lme)  Das Granta Magazin hat gewählt: Es geht um die Creme de la Creme der neuen englischsprachigen Literatur. Geschafft haben es in die rosafarbene Ausgabe der Zeitschrift  zwanzig Autoren und Autorinnen. Streng geheim bleibt die Liste der Besten bis zur Veröffentlichung, doch wer zu den Auserwählten zählt, der darf sich glücklich schätzen – als Schriftsteller wird er oder sie es von nun an leicht haben. Nur alle zehn Jahre werden die jungen Schriftsteller gekürt, zu den vormalig gekürten Schriftstellern zählen: 1983 Julian Barnes, William Boyd, Kazuo Ishiguro, Ian McEwan, Salman Rushdie – 1993 Ian Banks, Louis de Bernieres, Esther Freud, Alan Hollinghurst, A.L. Kennedy, Hanif Kureishi, Will Self und Jeannette Winterson – 2003 Monica Ali, Zadie Smith, Sarah Waters und David Mitchell.

2013 versammeln sich

Kamila Shamsie, 1973 in Karachi geboren, heute in London ansässig. Fellow der Royal Society of Literature. Bis dato veröffentlichte sie fünf Romane, „In the City by the Sea“, ihr erster Roman, handelt von einem elfjährigen Jungen in Pakistan, der von heute auf morgen seine Welt zusammenbrechen sieht.

Ned Beauman, 1985 in London geboren hat bereits zwei gefeierte Romane veröffentlicht. Sein letztes Werk „The Teleportation Accident“ stand auf der Longlist des Booker Prize 2012.

Tahmima Anam, 1975 geboren, lebt heute in East London und wurde durch ihre „Bengal Trilogy“ Romane berühmt, die drei Generationen einer Familie aus Bangladesh verfolgt. Der dritte Band der Trilogie wird 2014 erscheinen.

Naomi Alderman wurde 1974 geboren und arbeitet heute als Professorin für Kreatives Schreiben an der Bath Spa University. Sie hat bis dato drei Romane veröffentlicht („Disobedience“, „The Lessons“ und „Liar’s Gospel“) und schreibt und zeichnet nebenbei auch Computerspiele.

Nadifa Mohamed, 1981 in Somalia geboren, kam bereits im Alter von fünf Jahren nach England.  Sie hat einen Roman veröffentlicht („Black Mamba Boy“), der es auf viele Long- und Shortlists geschafft hat.

David Szalay wurde 1974 in Kanada geboren, zog aber bereits als Kind mit seiner Familie nach England. Bis dato sind von ihm drei Werke erschienen: „London and the South-East“, „The Innocent“ und „Spring“.

Evie Wyld, 1980 geboren, ist eigentlich Buchhändlerin in ihrer eigenen Buchhandlung „Review“ in Südosten Londons. Ihr erstes Buch „After the Fire, a Still Small Voice“ gewann den John Llewellyn Rhys Prize. Das nächste Werk, „All the Birds, Singing“ wird im Juni diesen Jahres auf Englisch erscheinen.

Taiye Selasi, nigerianischer und ghanaesischer Abstammung, wurde 1979 in London geboren. 2013 erschien ihr erster Roman, „Ghana must go“. Heute lebt Selasi in Rom.

Adam Thirlwell wurde 1978 in London geboren und ist Autor zweier Romane: „Politics“ und „The Escape“. Bereits 2003 stand er auf der Granta Liste. Gerade arbeitet er an einem neuen Roman.

Steven Hall wurde 1975 in Derbyshire geboren. Bereits sein erster Roman „The Raw Shark Texts“ wurde in 29 Sprachen übersetzt. Sein nächster Roman wird den Titel „The End of Endings“ tragen.

Adam Foulds, 1974 in London geboren, wurde durch seinen Roman „The Quickening Maze“ berühmt. Auch er ist Fellow der Royal Society of Literature.

Benjamin Markovits, 1973 geboren, wuchs in London, Oxford, Texas und Berlin auf. Zunächst wollte er professionellen Basketballspieler werden, dann unterrichtete er Englisch an einer HighSchool. Heute lebt und arbeitet er in London. Er unterrichtet Kreatives Schreiben.

Auch Joanna Kavenna wurde 1973 geboren und hat schon in vielen Ländern gelebt. 2008 gewann sie den Orange Prize for New Writing. Bis heute sind von ihr drei Romane erschienen: „Inglorious“, „The Birth of Love“ und „Come to the Edge“.

Zadie Smith, 1975 in London geboren, ist eine der bekanntesten Autorinnen der diesjährigen Auswahl. Ihre Romane „White Teeth“ und „On Beauty“ sind weltberühmt. Auch sie schaffte es bereits 2003 in das Magazin der besten jungen britischen Autoren.

Sarah Hall wurde 1974 in Cumbria geboren und lebt heute in Norwich. Sie ist Autorin von vier Romanen „Haweswater“, „The Electric Michelangelo“ „The Carhulla Army“ und „How to Paint a Dead Man“. Sie hat bereits mehrere Auszeichnungen gewonnen und war für den Booker Prize nominiert.

Xiaolu Guo, 1973, veröffentlichte ihre Romane auf Englisch und Chinesisch. „A Concise Chinese-English Dictionary for Lovers“ war für den Orange Prize for Fiction nominiert. Sie arbeitet ferner auch als Filmregisseur (Once Upon a Time Proletarian).

Helen Oyeyemi wurde 1984 geboren. Vier Romane hat sie soweit veröffentlicht: „The Icarus Girl“, „The Opposite House“, „White is for Witching“ und „Mr Fox“. 2014 wird ihr fünfter Roman „Boy, Snow, Bird“ in England erscheinen.

Jenni Fagan, 1977 geboren hat bis dato einen Roman („The Panopticon“) und Lyrik geschrieben.

Sunjeev Sahota, 1981 in Derby geboren, lebt heute in Leeds. Sein erster Roman „Ours are the Streets“ wurde 2011 veröffentlicht.

Ross Raisin wurde 1979 geboren. Sein erster Roman „God’s Own Country“, veröffentlicht 2008, gewann den Sunday Times Young Writers Award und diverse andere Buchpreise. 2011 erschien sein zweiter Roman „Waterline“.

Unter den genannten Autoren sind einige, die ich schon immer einmal lesen wollte und andere, die durch die vorliegenden Textausschnitte interessant geworden sind. Auf jeden Fall haben wir nun wieder eine kleine Auswahl an lesenswerten Texten, die wir kritisieren und untersuchen können.

2013

2013(lme) Die Zeit veröffentlichte am 9.11.2012 einen Artikel auf ihrer Seite, der sich darüber brüskiert, dass es hierzulande keine Literaturblogger gibt. Sie spielten damit, wir wissen es genau, auf die lange Stille der Seitenspinner an, die zu einem wichtigen Organ der deutschsprachigen Literaturbloggerszene geworden sind.

Ein neues Jahr voller guter Vorsätze hat begonnen. Wir, die Seitenspinner, wünschen uns und all unseren Lesern viele wunderbare Leseminuten und -stunden.

Wir hoffen, auch im Jahr 2013 wieder den ein oder anderen unter Ihnen auf besondere Fundstücke, wichtige Ereignisse, großartige Erzähler und unglaubliche Bücher aufmerksam machen zu können und werden unser Möglichstes tun, Sie und Euch an unseren Leseerlebnissen teilhaben zu lassen.

Mit einem abgewandelten Bibelwort eröffnen wir für uns 2013: „Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gelesen haben.“

Kenneth Grahame: The Wind in the Willows

(lme) Warum man Kinderbücher wiederlesen sollte? Weil man dabei auf Juwelen wie „Wind in the Willows“ von Kenneth Grahame stößt. Grahame erzählt die im wahrsten Sinne des Wortes fabelhafte Geschichte vierer Tiere, die gemeinsam einiges erleben. Das Buch wurde 1908 veröffentlicht und hat seitdem nichts von seiner Aktualität und Originalität eingebüßt. Dies ist eine Geschichte über Freundschaft, trotz Unterschieden und Ausrutschern: Die Wasserratte, der Maulwurf, die Kröte und der Dachs sind Freunde fürs Leben, sie halten zusammen, als die Kröte von einer Autofahrsucht befallen wird und als sie das Anwesen der Kröte von Wieseln und Frettchen befreien müssen.

Trotz ihrer Unterschiede (so ist der Maulwurf seriös und eher einfältig, die Kröte größenwahnsinnig und arrogant, der Dachs majestätisch und erhaben und die Wassserratte schlau und gewitzt) verstehen sie sich und lernen voneinander.

Wir als Leser lernen über uns und unsere Emotionen, ganz wie es der Sinn der Fabel ist. Ein Buch, das nicht nur jungen Lesern an Herz gelegt wird.

Deutscher Buchpreis 2012: Der Gewinner

(lme) Den Deutschen Buchpreis 2012 gewinnt Ursula Krechel mit ihrem Roman „Landgericht“. Der Preis ist mit 25.000 Euro dotiert.

Wovon handelt der Roman? Ursula Krechel beschreibt in ihrem Werk das Leben des Juden Richard Kronitzer, der als Richter in Deutschland und Kuba lebt. Sie umreißt dabei eine Zeitspanne von 40 Jahren, beschreibt die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg, die Zeit des Krieges und die ersten Jahre danach.  Kronitzer, der in Deutschland eine Frau und zwei Kinder hat, muss mit Beginn des Krieges nach Kuba fliehen, seine beiden Kinder werden in eine Pflegefamilie nach England gegeben. Nach dem Krieg kehrt er zu seiner Frau nach Deutschland zurück und kämpft für einen finanziellen Ausgleich. Der Roman deckt ein persönliches Schicksal und die Geschichte Deutschlands gemeinsam ab. Sehr gut recherchiert und historisch akkurat folgt Krechel ihrem Protagonisten durch die Jahrzehnte.

Warum gewinnt Krechel den Deutschen Buchpreis? Sicherlich handelt es sich hierbei um ein würdiges Buch, das sowohl sprachlich als auch in seiner Detailliertheit besonders ist. Es sind jedoch auch andere Auffälligkeiten vorhanden: Krechel ist die einzige Autorin auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2012, der Suhrkamp Verlag liegt mit drei Nominierungen vorne, Krechels Werk ist jedoch bei einem kleinen Verlag – Jung und Jung – erschienen. Damit haben den Deutschen Buchpreis, der seit 2005 verliehen wird, nun insgesamt  3 Männer und 5 Frauen gewonnen. Der Jung und Jung Verlag hat damit (neben Suhrkamp) zum zweiten Mal den Gewinner des Deutschen Buchpreises hervorgebracht.

Auffällig ist, dass seit seinem Bestehen immer wieder Bücher den Preis gewinnen, die sich mit deutscher bzw. österreichischer oder schweizer Geschichte beschäftigen und dies anhand einer einzelnen Figur oder einer Familiengeschichte tun. Wir fragen uns, ob dies obligatorisch ist, da es sich ja um den Deutschen Buchpreis handelt, der die hohe Gewichtung der Historie irgendwo schon im Namen trägt (im Gegensatz zum Preis der Leipziger Buchmesse, der offener erscheint bei der Themenwahl). Oder liegt es daran, dass sich die Jury die Frage der Lesbarkeit des Gewinners stellt und persönliche Schicksale ebenso interessant sind, wie historische Gegebenheiten?

Bereits im letzten Jahr ließ sich vorhersagen, wer den Deutschen Buchpreis gewinnen wird. (https://seitenspinner.wordpress.com/2011/09/20/deutscher-buchpreis-unser-tipp/) Und auch dieses Jahr lagen wir bei Bekanntgabe der Shortlist wieder richtig: https://seitenspinner.wordpress.com/2012/09/12/deutscher-buchpreis-2012-die-shortlist/