Archiv der Kategorie: Kapitelweise

Kapitelweise 3. Vincent I und II

(lme) Joey Goebel findet den passenden Einstieg in seine Geschichte um Vincent. Zum einen schafft er es Spannung zu kreieren, indem er seinen Kapiteln Frauennamen gibt – sonst nichts. Den Roman mit einem Brief, daher mit einer persönlichen Anrede, beginnen zu lassen hilft zusätzlich, sich in den Strom der Handlung fallen lassen zu können.

Im ersten Brief, den der Leser vorgestellt bekommt, wendet sich der Manager Harlan Eiffler an seinen Schützling Vincent Spinetti und sagt ihm eine schmerzende und traurige Zukunft voraus. Die schrecklichen Erfahrungen, die er in seinem Leben sammeln würde, wären allerdings Vorraussetzung für sein kreatives Schaffen und wären dadurch in der Lage großen Einfluss auf die Kultur- und Medienlandschaft zu nehmen.

Zustimmen muss dem Projekt, das aus Vincent einen Drehbuchautor und Songtexter machen soll, seine Mutter Veronica. Als sie erfährt, dass es sich zum einen um ein lukratives Angebot handelt und dass Vincent versorgt sein würde (mit ihren Kindern kann sie sowieso nicht viel anfangen), unterschreibt sie den Vertrag, der über die Zukunft ihres Zöglings entscheiden wird.

Goebels Stil mag nicht von literarischer Höchstqualität sein, dennoch schafft er es von Anfang an, den Leser mitzunehmen auf die Reise, in der wir Vincent durch sein Leben folgen werden. Wir wollen wissen, welche furchtbaren Erfahrungen dem Jungen bevorstehen und wir wollen wissen, ob Eiffler sie ihm – trotz Gewissensbissen – zufügen können wird.

Wie bewertet ihr den Einstieg in die Geschichte, welche Erwartungen hat er in euch geschürt?

Bis zum Freitag (28.9) wollen wir gemeinsam das Kapitel III (Wynona) lesen.

Kapitelweise 3: Joey Goebel – Vincent (Torture the Artist)

(lme) Es geht wieder los. Kaum ist die Sommerpause beendet, schon steigen wir ein in einen neuen „Kapitelweise“ Roman. Wir nehmen uns Joey Goebels „Vincent“ vor, auf deutsch erschienen bei Diogenes. Seid dabei, wenn es darum geht, das Buch in seine einzelnen Bestandteile zu zerpflücken.

Was erwartet uns? Der amerikanische Schriftsteller Joey Goebel wurde 1980 im Staate Kentucky in den USA geboren. Er selbst spielte einige Jahre lang in einer Punkrockband, studierte Anglistik und Creative Writing und veröffentliche 2003 in Amerika seinen ersten Roman „Freaks“. Auf Deutsch erschien dieser erst nach dem bei uns besprochenen „Vincent“ (2005).

Um einen ersten Überblick über den Roman zu erhalten, wollen wir bis zum nächsten Freitag (21. September) die Kapitel „Rachel“ und Veronica“ lesen (in der deutschen Ausgabe bis Seite 64).

Krachts Imperium: Dritter Teil

(lme) Engelhardt, der allein auf der Insel zurückgelassen wird, verfällt langsam aber sicher allergrößtem Irrsinn. In den letzten Kapiteln wagt der Autor aber auch immer mehr eine Außensicht, er wirft einen Blick auf die Welt, die sich trotz Engelhardts Abwesenheit, weitergedreht hat.

Die Kolonie gibt die Order, Engelhardt zu töten, da er nur Ärger gebracht hat. Als der beauftragte Kapitän das hagere Männlein jedoch sieht, überfällt ihn größtes Mitleid und er kann seinen Auftrag nicht erfüllen. Engelhardt flüchtet in seinen Urwald. Erst Jahre später wird er entdeckt – als medizinisches Wunder und einziges bekanntes Beispiel eines Menschen, der Lepra überlebt hat.

Kracht zeiht in diesen letzten Kapiteln sein großes erzählerisches Geschick. Hier spricht er den Leser direkt an und beschreibt die Schicksale all derer, die Engelhardts Weg einst kreuzten. Was bleibt am Ende übrig? Engelhardt scheint der einzig bedeutsame Überlebende zu sein. Alle anderen müssen schlimme Schicksalsschläge oder traurige Ereignisse ertragen. Engelhardt jedoch lernt nach seiner „Rettung“ Coca – Cola und G.I.s kennen.

Es fasziniert, wie ehr Kracht seinen Stil nach Büchern der Popliteratur (wie z.B. Faserland) verändern konnte. Explizit treten her keine Markennamen auf; vieles, etwa die Namen die die politische Lage der Zeit bestimmten, bleiben angedeutet aber ungenannt. Damit macht er seinen Roman zu etwas Zeitlosem.

Was gibt es zur „Rechts-Debatte“ um Imperium zu sagen? Wer Engelhardts Aussagen als rechtsradikal empfindet, hat den Roman falsch verstanden. Zunächst muss festgestellt werden, dass sich Engelhardt ausdrücklich gegen Judenhass und –verfolgung ausspricht. Später dann kommt es zu einigen Aussagen in diese Richtung, jedoch – betrachtet man sie im Zusammenhang der beschriebenen Situation – so stellt man fest, dass Engelhardt dies nur sagt, um sein Opfer in eine Falle zu locken und dies nicht mit seiner tatsächlichen Meinung verwechselt werden darf.

Unser Fazit: Imperium ist ein großer Roman, ein Buch, das wegen seiner Sprache bestehen wird. Kein neues Lieblingsbuch, aber trotzdem lesenwert.

Krachts Imperium Kapitel 8 und 9

(lme) Zur Mitte des Romans hin, kommen wir auch dem Ende der Enklave eindeutig näher. Das Gefühl verfestigt sich durch die Stimme des Erzählers, der erwähnt, dass Engelhardt „nur einmal noch“ sein Paradies verlassen hatte.

Auf einer Art Pilgerfahrt zu den Fidschi-Insen will Engelhardt einen anderen Einsiedler kennenlernen, der, so heißt es, sich einzig von Luft und Sonne ernährt. Dieser stellt sich jedoch als Scharlatan heraus und enttäuscht Engelhardt sehr, der an die Kräfte des Geistes glaubt.

Zurückgekehrt zu seiner Kokosplantage nimmt er sich dennoch vor, sich intensiver um Jünger zu bemühen. Bald danach wird sein Traum wahr; ein deutscher Klaviervirtuose schifft sich ein und wird zu Engelhardts erstem Anhänger, nach dem missglückten Versuch mit Auecken.

Alles verläuft nach Plan, bis noch mehr Deutsche als Anhänger Engelhardts in die Südsee kommen und dort, das Klima und die Lage völlig fehleinschätzend, sich als Plage herausstellen. Engelhardt, der körperlich mittlerweile ausgezehrt ist und an diversen Ekzemen und offenen Wunden leidet, sieht, wie seine Idee des Kokovorismus unmöglich wird. Der zweite Teil endet mit Engelhardts Überlegungen, wie er sich auch seines nächsten Anhängers entledigen könnte.

Das Buch spinnt die Fäden der Geschichte klar, schafft Ringstrukturen und vleibt immer spannend, dabei aber nicht unrealistisch. Durch die Folie, auf der Kracht seinen Roman aufbaut, ist der Plot für uns zwar weit weg, jedoch durchaus ehrlich erzählt.

Bis nächsten Mittwoch wollen wir das Buch beenden.

Krachts Imperium: Kapitel 5,6 und 7

(lme) In den Kapiteln 5,6 und 7 lernen wir August Engelhardt von einer neuen Seite kennen. Hier wird beschrieben wie der Kokovore Möglichkeiten ausschöpft, seinen Orden zu vergrößern und sein Kokosöl zu verkaufen. Entgegen der landläufigen Erfolge, das Kokosöl als Palmin zu verkaufen, bleibt er dabei, dass sein Öl nicht für das Anbraten von Fleisch zu gebrauchen sein sollte. Seine Ideale sind größer als sein Versuch Geld zu verdienen.

Auch kommt es dazu, dass die Kolonie den ersten Anhänger aufnimmt. Dies funktioniert am Anfang bestens, da Engelhardt einen Ansprechpartner hat, der sich der Idee des Kokovorismus angetan hat. Nach einiger Zeit hingegen merkt Engelhardt, dass der Neuankömmling Aueckens nicht nur die selben Ansichten teilt. Er ist Antisemit und homosexuell, zwei Ideen, die Engelhardt fern liegen.

Kracht bleibt seiner großartigen Sprache treu. Diese ergeht sich in Beschreibungen der Figuren: „Engelhardt hatte während des Aufenthalts auf seiner Insel nicht nur etliche Pfund abgenommen, sondern war durch die gesunde Lebensweise drahtig und muskulös, seine Haut nun von einem satten Dunkelbraun, und sein Haupthaar und sein Bart, die er allmorgendlich mit Kokos-Öl einrieb, waren durch die Sonne und Salz hellblond und golden geworden.“ Auch der Einfluss von Passagen in indirekter Rede ist keinesfalls störend und bereitet keinerlei Mühe beim Lesen. Der Autor schafft es, die Welt dieser einsamen Kolonie spannend und genau wiederzugeben, während des Lesens fühlt man sich dem Kokovorismus eindeutig nahe und kann sogar einen Mord nachvollziehen.

Bis zum nächsten Mittwoch lesen wir bis zum dritten Teil, S. 180.

Krachts Imperium: Kapitel 3 und 4

(lme) Krachts Sprache beeindruckt auch in diesen beiden Kapiteln. Er zieht uns weiter hinein in die Lebensgeschichte es August Engelhardt und erklärt im 3. Kapitel, wie und wo der Protagonist seine Kokovoren-Kolonie gründet. Im 4. Kapitel geht es dann um einen Rückblick auf das bisherige Leben der Hauptfigur und wie er zu seinem Wunsch kam, auszuwandern.

Eng verknüpft Kracht hier die Welt Engelhardts mit den äußeren Geschehen, die er jedoch nicht direkt benennt, sondern lediglich anstößt und durch Anspielungen auf sie hinweist.

Bis jetzt lässt sich meiner Meinung nach von einer eventuellen nationalsozialistischen Denkweise des Autors nichts erkennen. Natürlich wird auch auf Hitler angespielt, dies geschieht jedoch nicht auf anerkennende oder verherrlichende Weise. Stattdessen gelingt es Kracht den Leser neugierig zu machen auf die Kapitel, die da noch folgen.

Bis zum nächsten Mittwoch (6. Juni) lesen wir Kaptel 5, 6 und 7. Wir freuen uns auf eure Kommentare!

Krachts Imperium, Kapitel 1 und 2

(lme) Wir begeben uns in diesem Roman auf eine Reise mit August Engelhardt, der als junger Fruktivore auf dem Weg in sein Paradies ist. Er hat sich nämlich ausgedacht, dass die Kokosnuss die Krone der Schöpfung ist und dass, wer sich nur von Kokosnüssen ernährt, seinem Nirvana näher kommt.

Die ersten beiden Kapitel handeln nun von der Schiffsfahrt, auf die er sich begeben hat. Das Schiff besteigt er als Außenseiter, alle anderen Passagiere geniessen das Leben an Bord, nur August hängt an seinem Glauben fest und nimmt an gesellschaftlichen Anlässen nicht oder nur wenig Teil.

Beschrieben wird er als gutgläubiger Einzelgänger, der sein Ziel vor Augen hat. Kracht schafft eine Umgebung, die den Leser in diesem Buch sofort willkommen heißt. Die Sprache fliesst und zieht den Leser mit sich, hinein in den Dschungel, dem auch Protagonist verfallen ist.

Voller Vorfreude nehmen wir uns für die nächste Woche Kapitel 3 und 4 vor. Wie hat euch der Einstieg in den Text gefallen?