Archiv der Kategorie: Bücherweisling

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The Man Booker Prize Longlist 2014

(lme) Heute war es endlich wieder so weit. Wir stellen fest, dass der Herbst, zumindest der literarische Herbst, nicht mehr weit entfernt liegt. Die erste Longlist ist heute erschienen. Die sechs Juroren des Man Booker Prize 2014 haben sich entschieden und dreizehn Favoriten nominiert.

Zum ersten Mal stand die Booker Prize List nicht nur englischen und Commonwealth Buechern offen, sondern auch Autoren der USA. Durch die Literaturwelt ging mit dieser Entscheidung ein großes Raunen, befuechtete man doch eine Ueberschwemmung des Preises durch amerikanische Literatur. Nun sind es nur gut 1/3 der nominierten Autoren, die aus den USA kommen.

Die diesjaehrigen Nominierten sind:

To Rise Again at a Decent Hour, Joshua Ferris (Viking)
The Narrow Road to the Deep North, Richard Flanagan (Chatto & Windus)
We Are All Completely Beside Ourselves, Karen Joy Fowler (Serpent’s Tail)
The Blazing World, Siri Hustvedt (Sceptre)
J,  Howard Jacobson (Jonathan Cape)
The Wake, Paul Kingsnorth (Unbound)
The Bone Clocks, David Mitchell (Sceptre)
The Lives of Others, Neel Mukherjee (Chatto & Windus)
Us, David Nicholls (Hodder & Stoughton)
The Dog, Joseph O’Neill (Fourth Estate)
Orfeo, Richard Powers (Atlantic Books)
How to be Both, Ali Smith (Hamish Hamilton)
History of the Rain, Niall Williams (Bloomsbury)

Howard Jacobson und Ali Smith standen auf vielen Wettlisten in Literaturforen. Jacobson, der den Booker Prize bereits 2010 gewonnen hat, gehoert mit dazu, genauso wie der bisher noch nicht erschienene neue Roman des Erfolgsautors David Nicholls. Dass weder Will Self noch die Pulitzerpreistraegerin Donna Tartt einen Platz auf der Longlist fanden, erstaunte die literarische Welt.
Wir sind gespannt auf welche Titel die Shortlist sich reduzieren wird, wenn sie am 9. September erscheint.
Ein weiterer Termin fuer den Kalender ist natuerlich die Bekanntgabe der Longlist fuer den Deutschen Buchpreis am 13. August um 11 Uhr.

 

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Donna Tartt gewinnt Pulitzer Preis

(lme) Gestern wurde bekannt gegeben, dass die 1963 geborene US-amerikanische Autorin Donna Tartt für ihr Werk „The Goldfinch“ (dt. „Der Distelfink) den Pulitzerpreis erhält. Ein Buch, das den Geist anregt und das Herz aufgehen lässt, so die Beurteilung der Jury. Und auch das deutsche Feuilleton zeigte sich begeistert von diesem 1000 Seiten Schmöker, wie man im Perlentaucher nachlesen kann.

Der Pulitzer Preis, der jährlich in verschiedenen Kategorien vergeben wird, soll für „Fiction“ an einen US-amerikanischen Autoren gehen und an ein Werk, das sich „vorzugsweise“ mit dem amerikanischen Leben auseinandersetzt. Frühere Gewinner waren so bekannte Autoren wie Jeffrey Eugenides (2003), Philip Roth (1998) und William Faulkner (1963).

Ach du Schreck

(lme) Das Jahr 2013 neigt sich seinem Ende zu, nein, man kann sagen, es fällt geradezu aus seinem Rahmen, den ihm der 1. Januar und der 31. Dezember gesteckt haben. Voller Schreck muss ich das Resümee diesen Jahres ziehen. Nur 20 Bücher liegen hinter mir, mancher Monat brachte nicht eine letzte Seite. Dies ist noch nie zuvor vorgekommen, ich bin schockiert und beschämt.

Wie konnte es dazu kommen?

Zugegebenermaßen hat sich mein Leben gegen Ende 2012 stark verändert, die Ich-Zeit wurde wieder verkürzt, eine neue Phase der Wir-Zeit hat begonnen. Da bleibt natürlich weniger Freizeit um zum Buch zu greifen.

Aber ich muss auch feststellen, dass ich dieses Jahr kein glückliches Händchen für Bücher hatte. Allzu oft musste ich sie mit 0-1 Stern bewerten. Und das hat mich dann jedes mal in Verzweiflung gestürzt und davon abgehalten ein neues Buch aus dem Regal zu ziehen.

Was kommt wohl 2014 auf mich, auf uns zu? Was wird aus den Seitenspinnern, welche Entdeckungen werden wir machen?

Ich wünsche allen Lesern, sowohl meinen, als auch deinen, ein wunderbares und Buch-reiches neues Jahr.

Neil Gaiman im Guardian

(lme) Der Kinder- und Jugendbuchautor Neil Gaiman wurde von der englischen „Reading Agency“ eingeladen, um einen Vortrag über die Wichtigkeit des Lesens und der Bibliotheken zu halten. Er hat dies auf so eindringliche Weise getan, dass wir es für sinnvoll erachten, ein paar seiner Ideen und Thesen hier vorzustellen. (Wer das ganze Interview lesen möchte, kann das hier tun).

Gaiman sagt sehr richtig, dass der Gedanke wir bräuchten keine Schrift und keine Literatur mehr, da sich die Fähigkeit zu lesen überleben würde, vollkommen falsch ist. Gerade in den technischen Medien, die wir tagtäglich benutzen, brauchen wir die Schrift als Kommunikationsmittel sogar mehr, als die Sprache.

Er fand heraus, dass es in Gesellschaften, die einen hohen Anteil an Analphabeten haben, sehr viel häufiger zu Gewalttaten und Verbrechen  kommt und dass sogar China, nach langem zögern, seine Buchwelt der Science Fiction geöffnet hat, da sie feststellten, dass diejenigen, die kreative Ideen was Fortschritt angeht haben,  die Menschen sind, die in ihrer Kindheit Science Fiction Bücher gelesen haben.

Er sagt, dass es unsere Pflicht ist zu lesen und unseren Kindern die Welten der Imagination zu öffnen, da sie diese Fähigkeit brauchen um die Welt in der wir leben etwas besser zu machen. Wir alle stellen jeden Tag durch Literatur fest, dass

The world doesn’t have to be like this. Things can be different.

Seinen Vortrag schließt er mit einem Zitat von Albert Einstein. Diese Worte kann man nur einfach so stehen lassen.

„Albert Einstein was asked once how we could make our children intelligent. His reply was both simple and wise. „If you want your children to be intelligent,“ he said, „read them fairy tales. If you want them to be more intelligent, read them more fairy tales.“ He understood the value of reading, and of imagining. I hope we can give our children a world in which they will read, and be read to, and imagine, and understand.“

 

And the winner is…Man Booker Prize 2013

(lme) Die Gewinnerin des diesjährigen Booker Prize ist die neuseeländische Autorin Eleanor Catton. Das mit 832 Seiten (englische Ausgabe) sehr umfangreiche Werk „The Luminaries“ (zu deutsch: Die Himmelskörper) konnte sich gegen die fünf anderen Werke der Shortlist durchsetzen. Nur zwei Stunden brauchten die Jurymitglieder, um sich auf Catton als Gewinnerin zu einigen. Zum letzten Mal wurde der Booker Prize ausschließlich an Autoren mit einer Staatsbürgerschaft des Commonwealth verliehen. Ab nächstem Jahr steht er allen Büchern offen, die ihre zuerst in englischer Sprache veröffentlicht wurden. 

The Luminaries spielt 1866 in Neuseeland, wo Walter Moody ein neues Leben beginnen möchte. Er trifft auf eine Gruppe von zwölf ortsansässigen Männern, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, mysteriöse Kriminalfälle zu lösen. Der Roman wird als viktorianischer Krimi gehandelt und da Catton sich selbst als stark von TV-Serien beeinflusst beschreibt, müssen wir wahrscheinlich nicht lange warten, bis… 

Alle Kritiken sind jedoch sehr positiv und gerade die Beschreibung der Jury des Bookerpreises hat neugierig gemacht, sich dem Wälzer zu nähern. 

In Deutschland wurde Cattons erster Roman“Die Anatomie des Erwachens“ beim Arche Literaturverlag verlegt. 

Die Amazon Debatte

(lme) Die ARD deckte in einer Reportage auf, wie amazon sein Weihnachtsgeschäft mit ausländischen Leiharbeitern abwickelt, die oft unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten und leben müssen, die Arbeit beim Internetgiganten aber als ihre einzige Chance sehen, überhaupt Geld zu verdienen.

Was bedeutet das für uns als Leser?

Welchen Vorteil bringt ein Bücherkauf bei amazon? 1. Man bekommt das Buch meist am nächsten Tag, 2. Man muss für den Kauf das Haus nicht verlassen.

Welche Nachteile entstehen? 1. Der Konzern kann mit uns machen, was er will (zum Beispiel seinen ebook reader nur für bei amazon gekaufte ebooks öffnen), 2. Menschen werden ausgebeutet, damit wir unsere Bücher schnell und günstig erhalten. 3. Im Ausland oft: Ein teurerer Preis muss für Bücher gezahlt werden, kauft man sie in einer echten Buchhandlung.

Zu den Vorteilen, die bei einem online-Kauf vermeintlich entstehen, ist zu sagen, dass die meisten Buchhandlungen anbieten, das Buch bis zum nächsten Tag zu bestellen. Und aus dem Haus zu gehen, in einer Buchhandlung zu stöbern, gehört doch eigentlich zum großen Glück der Bibliophilie dazu.

Wir haben uns entschieden: Zurück zum Buchhändler des Vertrauens! Denn der allergrößte Vorteil eines jeden Buchhändlers und einer jeden Buchhändlerin ist: Es gibt niemanden unter ihnen, der seinen Beruf nicht liebt, der nicht mit ganzer Seele Bücher verkauft und empfiehlt.

Literaturkritik im Fernsehen

(lme) An dieser Stelle soll einmal drei wichtigen und guten Literatursendungen im Fernsehen Ehre zu Teil werden. Drei Sendungen sind es, die uns nun teilweise schon über Jahre hinweg begleiten.

Alt ehrwürdig kommt Denis Scheck mit seinem „Druckfrisch“ daher. Für uns ist dies eine gute Literatursendung, weil Scheck seinen eigenen Kopf hat, weil man ihm vertraut, denn er weiß was er tut, und weil er neben den Literaturtipps, die er gibt, auch die aktuelle Spiegel-Bestsellerlisten Sachbuch und Belletristik in die Mangel nimmt.

Das Schweizer Fernsehen strahlt einmal monatlich den Literaturclub aus, bei dem derzeit Stefan Zweifel, Elke Heidenreich, Hildegard E. Keller und Rüdiger Safranski miteinander über vier Bücher diskutieren und am Ende immer noch ein Buch vorstellen, das ihnen besonders am Herzen liegt. Diese Sendung ist großartig, weil hier so viele verschiedene Interessen abgebildet werden, weil sie Schöngeist, Literaturprofessor, klassischen Leser und Publikumsliebling miteinander ins Gespräch bringt und so für jeden etwas zu entdecken ist.

Zu guter Letzt muss noch das relativ neue Format „Bücher und Moor“ vorgestellt werden. Bereits für den Grimme-Preis ist es nominiert und auch wenn ich anfangs skeptisch war – ich kann es nur empfehlen. Hier spricht Dieter Moor mit jeweils einem Prominenten über seine „Lesekarriere“ (bis jetzt waren es Dani Levy, Margot Käßmann und Franz Müntefering). Drei Bücher werden, auf eine ganz neue Art und Weise, besprochen.  Außerhalb des Treffens zwischen Moor und seinem Gast spricht eine Literaturagentin mit dem Autor über dessen Buch. Haben sich die beiden ausgetauscht und ist das Buch somit vorgestellt, diskutieren nun wiederum Moor und Gast über ihren Eindruck. Am Ende muss sich der Gast für ein Buch entscheiden. Hier werden zwei Stränge miteinander verknüpft. Zum einen ist es sehr interessant mehr über die Lesegeschichte einzelner Menschen zu erfahren, zum anderen bekommen wir gleichzeitig drei sehr unterschiedliche neue Bücher vorgestellt.

Man kann sich über diese hochwertigen Formate nur freuen.

Doch ehrlich gesagt: Hätte man in der Zeit gelesen, hätte man seine Zeit noch sinnvoller verbringen können!