Franz Kafka: Der Proceß

(lme) Kafka beschreibt in seinem posthum veröffentlichten Romanfragment die Unmöglichkeit des Seins und die Frage, ob man sich seinem Schicksal ergeben muss. Die Hauptfigur Josef K. wird eines morgens ohne sich einer Schuld bewusst zu sein, verhaftet. Außer dieser Gewissheit ändert sich aber für K. nichts. Dennoch – mit der Angst zu leben, dass das Leben, so wie er es kennt, jeden Moment vorbei sein könnte, lässt ihn in seinen Handlungen gefrieren. Der anstehende Prozess übernimmt die Führung. Urteil und Prozess bleiben für den Leser und auch für den Protagonisten im Verborgenen. Der Roman endet damit, dass K. abgeholt wird und von zwei Männern in einem Steinbruch erstochen wird.

Der Literaturwissenschaftler Rainer Stach vermerkt zu Kafkas Roman: „Finsternis wohin man blickt“, und tatsächlich bleibt der Leser mit einem typisch kafkaesken Gefühl zurück. Kafka schafft es, dass man selbst an seiner Freiheit zu zweifeln beginnt. Ein grandioses Buch von einem meisterhaften Erzähler und Kenner der menschlichen Psyche und Ängste.

Ich kann Kafka ausnahmslos jedem empfehlen, vor allem auch denjenigen, die sonst vor Klassikern zurückschrecken. Weltliteratur der besonderen Sorte!

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3 Antworten zu “Franz Kafka: Der Proceß

  1. In der Schule wird einem ja meist „Die Verwandlung“ aufgedrängt, was viele vor Kafka zurückschrecken lässt. Als ich im letzten Sommer dann zu „Der Prozess“ griff, war ich mehr als nur positiv überrascht. Eindeutig meine Lieblingsbuch von Kafka, herrlich surreal an manchen Stellen – sehr gute Empfehlung!

    • Für mich persönlich ist ja die Verwandlung eines der großartigsten Werke der deutschsprachigen Literatur. Er spinnt aus dem ersten , schon so kafkaesken, Satz eine Geschichte, bei der jedes Wort so durchdacht und so geschickt gewählt ist, dass man erzittert vor den Qualen, die Gregor Samsa erleben muss. Da ist das, was unserer Hauptfigur im Prozess widerfährt doch um einiges realistischer.
      Danke aber für das positive Feedback!

      • Mir persönlich ist die Verwandlung auch nicht komplett unsympathisch – nur leider führt sie als Zwangslektüre oft zur Ablehnung vom Gesamtwerk Kafkas… was er wirklich nicht verdient hat.

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