Deutscher Buchpreis 2012: Die Shortlist

(lme) Soeben veröffentlicht der Börsenverein des Deutschen Buchhandels die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2012. Die Juroren und Jurorinnen entschieden sich für sechs repräsentative Romane, von denen drei bei Suhrkamp erschienen sind und nur einer von einer Autorin geschrieben wurde.

Die Nominierten der Shortlist sind:

Ernst Augustin: Robinsons blaues Haus

Wolfgang Herrndorf: Sand

Ursula Krechel: Landgericht

Clemens J. Setz: Indigo

Stephan Thome: Fliehkräfte

Ulf Erdmann Ziegler: Nichts Weißes

Was ist von der Auswahl zu halten? Ernst Augustin ist bereits ein anerkannter Autor, der sowohl mit seinen Gedichten, als auch mit seinen Romanen Ansehen erlangt hat. Sein nominiertes Werk wurde in Feuilletons und Literatursendungen besprochen (u.a. bei „Das blaue Sofa“).

Wolfgang Herrndorf gehört zur Kategorie derjenigen Autoren, die von einer breiten Masse gelesen werden (können), sein Roman „Sand“ wurde bei den Seitenspinnern allerdings nur mittelmäßig bewertet. Dies lag unter anderem daran, dass das Buch anstrengend zu lesen ist und man im Wüstensand leicht den Überblick verliert. Nachdem man das Buch getrost zu Ende gelesen hat, bleibt nur wenig zurück. Einen wichtigen Literaturpreis (den Preis der Leipziger Buchmesse) hat Herrndorf dieses Jahr mit „Sand“ bereits gewonnen, ein zweiter wäre zu viel des Guten.

Ursula Krechel schreibt einen speziellen und eigentümlichen Roman. „Landgericht“ beschäftigt sich mit einer Familiensituation nach dem zweiten Weltkrieg, anhand derer die Gründung der Bundesrepublik personalisiert wird. Mit 29,90 Euro schlägt dieses Werk nicht nur auf literarischer Ebene ein wie eine Bombe.

„Indigo“ ist der zweite kriminalistische Roman auf dieser Shortlist. Er verhandelt eine Internatssituation, in der es immer wieder zu Vorfällen vom Abtransport einzelner Schüler kommt, denen ein Mathematiklehrer auf die Spur kommen möchte. Der Stoff kommt bekannt vor: Hatte nicht Kazuo Ishiguro mit „Never Let Me Go“ etwas Ähnliches geschrieben?

Stephan Thome folgt in „Fliehkräfte“ der Spur eines alternden Professors, der sich auf die Suche seiner eigenen Vergangenheit macht und dabei einmal durch Europa kreuzt. Ähnlich wie Nadolnys „Weitlings Sommerfrische“ sucht auch hier der Protagonist nach Antworten in seiner Jugend. Nadolny wäre jedoch für die Shortlist eindeutig die bessere Wahl gewesen.

„Nichts Weißes“ von Ulf Erdmann Ziegler sticht heraus, da es sich als einziges Buch mit der aktuellen Situation der Gesellschaft und der Jugend beschäftigt. Jobverlust und vermeintliche Flexibilität lassen die Protagonistin ihr eigentliches Leben unterdrücken und beschreiben die Angst einer ganzen Generation von Jugendlichen, die als Ziel hatten „Irgendwas mit Medien“ zu machen.

Was ist unser Tipp? Wird die Jury ihrem Weg treu bleiben und wieder ein Werk küren, das sich mit Geschichte am Beispiel einer Person bzw. Familie beschäftigt? Dann hat Ursula Krechel die besten Chancen. Wenn sich die Jury jedoch auf neue Pfade begibt, so tippen wir auf Ulf Erdmann Ziegler.

 

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4 Antworten zu “Deutscher Buchpreis 2012: Die Shortlist

  1. Liebe Seitenspinner,
    in diesem Moment habe ich auch gerade mein Posting zur Shortlist auf meinen Blog gestellt. Ich muss zugeben, dass ich leicht enttäuscht zurückbleibe, was sicherlich auch daran liegt, dass keiner meiner Favoriten (Dea Loher, Flasar oder Roth) sich auf der Shortlist wiederfinden. Die Entscheidung für Herrndorf empfinde ich als langweilig, auch wenn es sich wahrscheinlich – angesichts seiner Erkrankung – verbietet, dies negativ zu kommentieren. ;-)
    Viele Grüße
    Mara

  2. Liebe Mara,
    eben diesen Eindruck haben wir auch. „Sand“ ist sicherlich kein großes Buch, dass es verdienen würde auch noch die beiden wichtigsten Literaturpreise des Jahres 2012 zu gewinnen.
    Ich habe gerade Sten Nadolny gelesen und bin ganz beeindruckt von seinem Roman „Weitlings Sommerfrische“. Mehr dazu bald hier.
    Die Seitenspinner

  3. Guten Abend,

    ich knne den „Sand“ auch und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sich nicht auch etwas Interessanteres findet, gerade, wenn man bedenkt, dass der Autor dafür schon einen Preis in diesem Jahr bekommen hat. Ich muss allerdings zugeben, dass ich die anderen fünf Bücher noch nicht kenne.
    Dieser Post war der Erste, den ich in diesem Blog gelesen habe. Und er macht Lust auf mehr. Weiterhin alles erdenklich Gute!

    Herzliche Grüße

    Paula

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