Krachts Imperium: Dritter Teil

(lme) Engelhardt, der allein auf der Insel zurückgelassen wird, verfällt langsam aber sicher allergrößtem Irrsinn. In den letzten Kapiteln wagt der Autor aber auch immer mehr eine Außensicht, er wirft einen Blick auf die Welt, die sich trotz Engelhardts Abwesenheit, weitergedreht hat.

Die Kolonie gibt die Order, Engelhardt zu töten, da er nur Ärger gebracht hat. Als der beauftragte Kapitän das hagere Männlein jedoch sieht, überfällt ihn größtes Mitleid und er kann seinen Auftrag nicht erfüllen. Engelhardt flüchtet in seinen Urwald. Erst Jahre später wird er entdeckt – als medizinisches Wunder und einziges bekanntes Beispiel eines Menschen, der Lepra überlebt hat.

Kracht zeiht in diesen letzten Kapiteln sein großes erzählerisches Geschick. Hier spricht er den Leser direkt an und beschreibt die Schicksale all derer, die Engelhardts Weg einst kreuzten. Was bleibt am Ende übrig? Engelhardt scheint der einzig bedeutsame Überlebende zu sein. Alle anderen müssen schlimme Schicksalsschläge oder traurige Ereignisse ertragen. Engelhardt jedoch lernt nach seiner „Rettung“ Coca – Cola und G.I.s kennen.

Es fasziniert, wie ehr Kracht seinen Stil nach Büchern der Popliteratur (wie z.B. Faserland) verändern konnte. Explizit treten her keine Markennamen auf; vieles, etwa die Namen die die politische Lage der Zeit bestimmten, bleiben angedeutet aber ungenannt. Damit macht er seinen Roman zu etwas Zeitlosem.

Was gibt es zur „Rechts-Debatte“ um Imperium zu sagen? Wer Engelhardts Aussagen als rechtsradikal empfindet, hat den Roman falsch verstanden. Zunächst muss festgestellt werden, dass sich Engelhardt ausdrücklich gegen Judenhass und –verfolgung ausspricht. Später dann kommt es zu einigen Aussagen in diese Richtung, jedoch – betrachtet man sie im Zusammenhang der beschriebenen Situation – so stellt man fest, dass Engelhardt dies nur sagt, um sein Opfer in eine Falle zu locken und dies nicht mit seiner tatsächlichen Meinung verwechselt werden darf.

Unser Fazit: Imperium ist ein großer Roman, ein Buch, das wegen seiner Sprache bestehen wird. Kein neues Lieblingsbuch, aber trotzdem lesenwert.

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Eine Antwort zu “Krachts Imperium: Dritter Teil

  1. Bin sehr einverstanden mit dieser Bewertung. Bemerkenswert finde ich es, wie Kracht es mit einer leichten, unterhaltsamen und pointierten Sprache schafft auch das Grauen auszudrücken.

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