Benedict Wells: Fast genial NY Kapitel 4, Midwest Kap. 1,2,3

(lme) Das Buch wird besser, soviel schon einmal zu Beginn. Gemeinsam sind wir mit Anne-May aus der Klinik ausgebüchst, haben mit Francis das Geld von seinem Stiefvater erhalten und sind nun die ersten Kilometer in Richtung L.A. gefahren. Nun beginnt sich das Buch zu einer Roadnovel zu entwickeln. Vollkommen geht das Konzept zwar nicht auf, dafür gibt es zu wenig Gedanken, zu wenig Handlung, dennoch gewinnt der Roman etwas an Fahrt.

Trotzdem, was uns seit Beginn gestört hat, das hat sich nicht verbessert: Immer noch finden sich diverse Ungereimtheiten (an die wir uns vielleicht einfach gewöhnen müssen). So geistert Francis zum Beispiel nachts über die Flure des Motels (S.111). Eine einfache Recherche bei wikipedia hätte wohl genügt, um festzustellen, dass das nicht so leicht möglich ist, da ein Motel keine Flure in dem Sinne besitzt.

Makaber sind wiederum Gedanken wie „auf einmal interessierte ihn brennend, wie ihr Bruder gestorben war“. Kann einen ein solcher Schicksalsschlag „brennend“ interessieren? Hier ist, wie schon bei Anne-Mays Vergewaltigung, ein vollkommen falsches Register gezogen.

Immerhin verbleibt das Gespräch zwischen Francis und Ryan einigermaßen realistisch. Francis analysiert die Situation genau. Es handelt sich zwar um keine Beziehung zwischen den beiden, aber das ist auch nicht die Absicht des Erzählers.

Je weiter es in diesem Buch geht, desto mehr stellt sich die Frage, wofür Benedict Wells so sehr gelobt wurde. Einen jungen, erfrischenden Stil wie die Dame im Video, können wir nicht unterschreiben.

Bis nächsten Montag (20.02) lesen wir gemeinsam bis „San Francisco“ (S. 167)

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Eine Antwort zu “Benedict Wells: Fast genial NY Kapitel 4, Midwest Kap. 1,2,3

  1. In diesen Kapiteln ist mir weniger aufgestoßen als zuvor. Die Geschichte ist schließlich auf gradlinigerem Verlauf ohne die bisherige Zwanghaftigkeit zu besitzen.
    Kleine Widersprüchlichkeiten lösen sich sogar auf. Beispielsweise lernen wir, dass Francis einen Plan zur Geldvermehrung in Las Vegas besitzt. Hieraus nähren sich Zweifel um den positiven Verlauf der gesamten Reise. Wir mussten also einfach darauf warten, dass der Protagonist die Abwägung seiner Reise begann.

    Besonders spannend finde ich die Rückblicke, beispielsweise über das Verhätlnis zu Ryan (S.99). Will der sich mit der Finanzierung der Reise bloß freikaufen?
    Und auf Seite 114 lernen wir näheres über Francis‘ Kindheit und den Beginn der Depression der Mutter. Die Szene über die Eifersucht gegenüber des Flirts von Anne-May in der Bar auf Seite 124 wirkt ebenfalls lebensnah. Die Szene im Bett hinterlässt mich mit Fragezeichen über die Beziehung der beiden und steht im Spannungsfeld ihres Vertrauens, aber ihrer Unfähigkeit ihre Schutzmechanismen abzulegen.

    Erstaunlich oft tauchen „zum ersten Mal“ und „auf einmal“ auf. Diese Übergänge beinhalten eine Unsicherheit und Unstimmigkeit im Charakter. Als Stilmittel finde ich sie hier passend. Francis zweifelt schließlich und ich bin gespannt, ob er verzweifeln wird.

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