Benedict Wells: Fast Genial New York Kapitel 1,2,3

(lme) Nun nimmt die Geschichte doch etwas Fahrt auf. Um seinen biologischen Vater zu suchen, braucht Francis dringend Geld. Deshalb bittet er seinen Stiefvater um Rat. Francis‘ Mutter hat ihm nämlich einen Brief hinterlassen, in dem sie die genauen Umstände seiner Zeugung ausbreitet. Schon eine eigenartige Geschichte, wie wir finden, aber Literatur ist ja da um eigenartige und andere Geschichten zu beschreiben. Wells kann hieraus kein Vorwurf gemacht werden.

Was uns gefällt, ist, dass mittlerweile von einem Kapitel zum nächsten ein Spannungsbogen gezogen wird, dem man sich immer schwerer entziehen kann. Trotzdem bleiben immer auch Ungereimtheiten (zum Beispiel, wieso sich Ryan (Francis‘ Stiefvater) so einfach bereiterklärt das Geld für die Reise zu geben). Aber vielleicht werden diese ja später noch aufgeklärt.

Manch andere Situation wird so platt und banal beschrieben, dass sie nicht nur unrealistisch, sondern gänzlich falsch und fehl am Platze wirkt. Da beschreibt Wells zum Beispiel in wenigen Sätzen, dass Francis noch Jungfrau ist und entjungfert ihn dann im nächsten Absatz. Damit bleibt wieder einmal Francis‘ Charakter oberflächlich. Der Leser wird hier in keiner Weise bedacht. Wie ist eure Meinung?

Bis zum nächsten Montag (13.2.2012) nehmen wir uns die nächsten 4 Kapitel vor. Das ist das letzte Kapitel von New York, und Kapitel 1,2 und 3 des Abschnitts Midwest.

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Eine Antwort zu “Benedict Wells: Fast Genial New York Kapitel 1,2,3

  1. Die Eindimensionalität dieses Buches widerstrebt mir in zunehmenden Maße. Ich empfinde das Buch immer mehr als ein Jugendbuch. Der Mangel an Tiefe, Überraschungen oder zumindest etwas Witz enttäuschen mich.

    Zu Beginn des New Yorker Kapitels fehlt mir eine detaillierte Szenerie Beschreibung. Wells hakt die Einzigartigkeit dieser Stadt in wenigen Sätzen ab. Entweder erwartet der Autor, dass seine Leser eine Aufmerksamtkeitsspanne haben, wie sie von einem unterdurchschnittlichen Hollywood Film vorausgesetzt wird, oder er selbst ist zu ungeduldig, sich dieser Prosa zu widmen. Ich hoffe, der kindliche Sprachstil soll die Sicht des Francis‘ widerspiegeln, wobei ich es bezweifele.
    Der Dialog mit Ryan mutet wie das Drehbuch einer Seifenoper an. Diese Interaktion hat mehr Spannung verdient. Der Entschluss seinen Vater zu suchen wäre ebenfalls zumindest eine Schilderung der jugendlichen Leichtigkeit wert gewesen. Wer entschließt sich aufgrund einer solchen Sachlage sofort zu einer (hoffnungslosen) Reise? Jemand, dessen Leben in Brüchen liegt, der aus Mangel an Alternativen nicht zu dieser Abwägung fähig ist. Ich bin mir unschlüssig, ob Francis oder Wells diese Einfältigkeit aufweist.

    Neben der plumpen Rahmenhandlung finde ich aber gelungene Ansätze in den zwischenmenschlichen Aktionen. Besonders ehrlich erscheinen mir die Verbotenen Gedanken Francis‘ gegenüber seiner Mutter (S. 82/83). Francis‘ Mangel an Selbstwertgefühl kommen toll zur Geltung, als er Anne-May für „tausendemal schlauer und gebildeter“ hält. Ergreifend finde ich Francis‘ Mutmaßungen über die Gründe der Erkrankung seiner Mutter auf Seite 85. Schade, dass Wells diese Stimmung und Interaktion nicht vertieft und stattdessen zu seinem erzwungenen „Rat race“ zurückkehrt.

    Extrem strukturlos und störend finde ich die lachhafte Beschreibung seiner intrakorporalen Erfahrung a la „Es war einmal… das Leben“ (S.87). Hollywood lässt erneut grüßen. Aber wie schön dunkel sind Anne-Mays Forderungen zu ihrem Liebesakt.
    Enttäuschend finde ich den Mangel an Nachwirkungen seines ersten Mals. Gerade mal einen Absatz haben wir Zeit das Geschehene zu verarbeiten und schon kommt eine neue Nebenhandlung. Es scheint immer etwas passieren zu müssen. Als könnte unser Charakter nicht einfach sinnieren.

    Ich erwarte nicht mehr, dass Wells eine interessante Metaebene erreicht. Der Zwang nach Handlung lässt keine Tiefe zu. Ich hoffe auf mehr der Emotionalität, die ihm manchmal rauszurutschen scheint.

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