Eugen Ruge: In Zeiten des abnehmenden Lichts

(lme) Der diesjährige Gewinner des deutschen Buchpreises, über den es vor kurzem eine interessante Dokumentation bei Arte gab, beschreibt in seinem Roman die Geschichte einer Familie von unserer Großelterngeneration bis heute.  Hier wird erzählt, wie die Großeltern im 2. Weltkrieg nach Mexiko auswandern, dann in die DDR zurückkehren, wie der Vater sein Leben, nach seiner Rückkehr aus dem Arbeitslager erlebt, wie die Mutter, aus der Sowjetunion in die DDR übergesiedelt, versucht sich im deutschen Leben einzurichten und wie der Sohn aus der DDR flieht und nun auf den Spuren seiner Familie (nachdem er die Diagnose Krebs gestellt bekommen hat) nach Mexiko reist.

Der Roman hat viele nette Passagen, wenn zum Beispiel davon erzählt wird, was Oma Charlotte aus Mexiko mitbringt, wie sie ihren Wintergarten einrichtet und sich nur noch dort zu Hause fühlt. Auch Ruges Beschreibung der anderen Großmutter passt. Ein nettes Buch zu sein berechtigt aber nicht unbedingt auch den Buchpreis zu gewinnen.

Es stellt sich, vor allem mit dem Hintergrund der Dokumentation, die Frage, ob hier nicht zu viel gepuscht wurde, ob hier nicht der rowohlt Verlag aus einer Eintagsfliege versucht einen „Jahrhundertroman“ zu machen.

Diese Art Familiengeschichte ist nicht neu, die Beschäftigung mit der DDR ist gerade en vogue in der Literatur (Antje Ravic Strubel sei als ein weiteres Beispiel dieses Bücherherbstes zu nennen). Man kann „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ durchaus lesen. Aber man muss es nicht lesen. Es bringt einen nicht weiter. Sicher keine verfehlte Wahl für den Buchpreis, aber auf keinen Fall die Beste.

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2 Antworten zu “Eugen Ruge: In Zeiten des abnehmenden Lichts

  1. Toller Blogpost! Ich werde da noch mal genauer recherchieren!

  2. Bin damit einverstanden, dass es sich hier wohl nicht um den Jahrhundertroman handelt, den mancher Kritiker heraufbeschwören möchte. Allerdings wird einem die wandelnde Beziehung der Bürger der DDR zu ihrem Staat von dessen Anfängen bis zu dessen Zusammenbruch anhand der verschiedenen Generationensprünge auf anschauliche Weise deutlich. Für mich ein lesenswertes Buch.

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